Väter und ihre Kämpfe für „Gerechtigkeit“

Ich habe gestern und heute auf Facebook mal wieder über Väter und ihre Kämpfe für „Gerechtigkeit“ nach einer Trennung diskutiert. Weil ich in der Zwischenzeit von Teilen der Diskussion geblockt wurde und weil bei Facebook sowieso alles recht schnell irgendwo weit unten verschwindet, möchte ich hier an dieser Stelle ein paar meiner Gedanken konservieren.

Es gibt unzählige Vätervereine, die sich damit beschäftigen, wie schrecklich ungerecht die Welt sei. Väter hätten keine Lobby, Politik und Rechtsprechung seien vollkommen auf die Mütter ausgerichtet und einem aufrechten Vater bleibe doch eigentlich nichts anderes übrig, als jahrelang gegenüber dem Jugendamt und dem Familiengericht für das Wohl des eigenen Kindes und für „Gerechtigkeit“ und „das Ende von geschlechtsbedingter Diskriminierung“ zu kämpfen.

Die Kämpfe der Väter um diese „Gleichberechtigung“ beginnen zufälligerweise immer erst mit der Trennung von der Mutter. Vorher führen wirtschaftliche Zwänge und der Wunsch der Mutter, in der ersten Zeit mit dem Kind zuhause zu bleiben, dazu, dass Väter eher die Rolle des Ernährers einnähmen. Mit Entscheidungen seitens der Väter habe das natürlich nichts zu tun. Ein Mann, der von vornherein mehr Zeit mit dem Kind einfordert, würde außerdem überhaupt erst gar keine Frau finden, die mit ihm überhaupt ein Kind bekommt – so die Argumentation. (Wie einfach es aus meiner Sicht ist, sich als Vater gerade in der ersten Zeit nach der Geburt an der Sorgearbeit zu beteiligen, habe ich unter anderem hier schon beschrieben. Wie es war, eine Person zu finden, die mit mir ein Kind bekommen möchte, „obwohl“ ich mich dann auch darum kümmern wollte, steht unter anderem in meinem Buch.)

Ich finde es schon fast lustig, wie diese ganzen Väter den wirtschaftlichen Zwängen so ausgeliefert sind. Und innerhalb der Partnerschaft machtlos gegenüber der Frau, die unbedingt beim Kind bleiben möchte. Das ist jedoch kein Problem. Väter fügen sich bereitwillig in ihr Schicksal. Sie verdienen gut, müssen sich keinen Sorgen um die eigene Rente machen und fühlen sich wohl in der Nebenrolle aus Perspektive des Kindes. Von Kampf um gleichberechtigte Aufteilung der Sorgearbeit bzw. gleiche Zeit mit Kind keine Spur.

Und dann ganz kommt die Trennung und es geht plötzlich nicht mehr um wirtschaftliche Zwänge, sondern vorgeblich nur noch ums Kind. Entscheidungen, die Väter jahrelang mitgetragen haben, haben von einem Tag auf den anderen keinen Wert mehr. Ein Kind braucht – natürlich erst nach der Trennung – Mutter UND Vater. Wie absurd, dass Väter gerade in Zeiten einer Trennung, wenn jede Kommunikation sowieso schon schwierig ist, plötzlich die Zeit mit Kind völlig neu aushandeln möchten. Wenn es wirklich um den Kontakt zum Kind gehen würde, könnte ein Väter an jedem einzelnen Tag vor der Trennung sagen, dass er lieber weniger arbeiten und sich dafür auf Kosten des Familieneinkommens mehr um die Kinder kümmern möchte.

Ich würde mich sogar zu der These hinreißen lassen, dass ein Vater, der schon vor der Trennung eigenständig einen wirklich relevanten Anteil an Aufgaben in Bezug auf die Kinder wahrgenommen hat, gar nicht so einfach aus dem Leben der Kinder wegzudenken ist. Die Mutter hat dann gar nicht erst die Möglichkeit, dem Vater nach einer Trennung die Kinder nur noch jedes zweite Wochenende zu überlassen, weil sie beispielsweise einen Job hat, der es gar nicht zulässt, die Kinder an jedem einzelnen Wochentag in eine Betreuung zu bringen und sie aus dieser wieder abzuholen. Weil die Mutter dann vielleicht gar nicht die Telefonnummer der Zahnärztin hat, weil es immer die Aufgabe des Vaters war, an die regelmäßigen Termine zu denken und mit den Kindern dort hinzugehen. Weil die Kita mindestens ebenso oft den Vater anruft, wenn das Kind plötzlich krank wird.

Ich will überhaupt nicht behaupten, dass es unter den tausenden von Sorgerechtsentscheidungen vor deutschen Familiengerichten nicht auch so manchen tragischen Fall gibt. Es gibt bestimmt einzelne Väter, die sich jahrelang bemüht haben und viele Aufgaben in Bezug auf die Kinder übernommen haben, nach der Trennung ihre Kinder dann jedoch wesentlich weniger sehen. Rein statistisch können das jedoch nicht sehr viele Väter sein. Nur 6 % der Väter nehmen mehr als zwei Monate Elternzeit, kaum ein Vater reduziert seine Arbeitszeit nach der Geburt eines Kindes. Die überwiegende Sorgearbeit innerhalb von Familien wird vor und nach einer Trennung von den Müttern geleistet.

Soweit zusammengefasst sind dies einige meiner Positionen, die ich in den letzten beiden Tagen vertreten habe und für die ich unter anderem als „Posterboy der mütterfreundlichen Presse“ bezeichnet wurde. Diskussionen zu diesem Thema werden schnell sehr emotional. Bis zu einem gewissen Punkt habe ich dafür vollstes Verständnis. Jeder hier angesprochene Aspekt könnte auch noch genauer und differenzierter erläutert werden, vieles ist durchaus eine weiterführende Diskussion wert und ich bestehe nicht auf jeder einzelnen Formulierung oder jedem einzelnen Satz, sondern sehe darin eher Facetten, die neben den lauten Stimmen vieler wütender Typen leider viel zu oft untergehen.

Noch eine letzte Bemerkung: Ich bin überhaupt kein grundsätzlicher Gegner des so genannten Wechselmodells, nachdem ein Kind zu ungefähr gleichen Teilen bei zwei Elternteilen in zwei weitgehend voneinander unabhängigen Haushalten lebt und das von vielen Väterbewegten als Standard nach der Trennung gefordert wird. Im Gegenteil, auch das Leben meiner Kinder enthält Aspekte dieses Modells und ich bin völlig überzeugt, dass es Kindern auch an zwei Orten gut gehen kann. Ich halte es nur im Konfliktfall für völlig unangebracht. Einen aktuellen Artikel dazu – mit teilweise ähnlichen Argumenten – hat Carola Fuchs hier geschrieben.

33 Antworten

  1. Normann Richter sagt:

    Hallo Jochen,

    danke für diesen Artikel. Als Mensch der mit Partnerin den Anspruch hat möglichst alles 50/50 zu machen und dabei häufig an der Realität scheitert, finde ich das „Ich finde es schon fast lustig, wie diese ganzen Väter den wirtschaftlichen Zwängen so ausgeliefert sind.“ massiv zu kurz greift. Klar, mag es diese Fälle geben bei denen die Sehnsucht nach 50% erst nach der Trennung „plötzlich“ kommt, aber es gibt (zumindest in meinem Umfeld) sehr viele Paare wo das anders aussieht.
    In Deinem Artikel blendest Du völlig aus, das es sowas wie den Pay Gap gibt, der in vielen Familien dazu führt das es tatsächlich wirtschaftlich nicht möglich ist 50-50 zu realisieren. Ich hab mich noch nie getrennt und um Sorgerecht gekämpft, aber die These 50-50 ist kein Problem, man muss nur wollen halte ich für sehr gewagt.

  2. jochen sagt:

    Danke für den Kommentar.
    Ja, ich blende in dem Text den Gender_Pay_Gap völlig aus. Ich glaube aber auch, dass der langfristig gesehen gar nicht so entscheidend ist. Eine Frau, die länger aus dem Beruf aussteigt, schafft es statistisch nie wieder, die Höhe des Einkommens ihrer gleichaltrigen Kolleginnen zu erreichen. Wenn Elternteile weniger als ein Jahr aus dem Job aussteigen, wirkt sich das dagegen kaum langfristig aus. Das heißt, wenn die Mutter länger alleine mit den Kindern zuhause ist, bedeutet das familiäre finanzielle Einbußen über einen Zeitraum von vielleicht 40/50 Jahren. Da fallen ein paar Monate innerhalb der Elternzeit plötzlich nicht mehr allzu sehr ins Gewicht. Und trotzdem hast du grundsätzlich recht, dass natürlich alles nicht so einfach ist.

    • Lutz Bierend sagt:

      Interessante Form der Auseinandersetzung.

      Die Anworten von denen du ausgesperrt warst hatte ich dir in den anderen Thread rüberkopiert. Und gelesen hast du sie offensichtlich auch. Aber dieser Text zeigt, dass es vergebene Liebesmüh war.

      Du deiner Unterstellung aus der Diskussion „Da drängt sich der Verdacht doch förmlich auf, dass der Kampf ums Kind vom Vater aus den gleichen Gründen geführt wird, die auch vorher entscheidend dafür waren, dass er die Arbeit mit dem Kind der Mutter überlassen hat: wegen des Geldes“

      Dass das Argument nicht für den WM-willigen Vater gilt ist schon klar, oder?

      Es gibt keinen großen Unterschied finanzieller Natür für einen Vater im Wechselmodell oder Residenzmodell wenn das Kind bei der Mutter lebt.

      Den Kindesunterhalt gibt der Mann genauso aus, wenn das Kind bei ihm lebt, denn er wird sich für ein WM eine größere Wohnung zulegen müssen, Kleider, ebenso wie essen, für das Kind selber kaufen müssen.

      Er wird vermutlich sogar etwas weniger arbeiten können. Für den Mann macht der klassiche Status Quo weniger finanziellen Unterschied, als für die Mütter, und vermutlich sind diese deshalb auch vehementer am festhalten als die Väter am zerren.

      Im Gegensatz zur Mutter kenne ich wenige Vätter die dafür Kämpfen das Kind für sich alleine zu haben und Unterhalt zu kassieren. Die meisten Väter, die ich kenne geben im WM mehr für das Kind aus, als die Mütter (einige zahlen ihr sogar noch Unterhalt).

      Der einzige, der von der Frage Wechselmodell oder Residenzmodell finanziell etwas hat, ist der hauptbetreuende Elternteil im Residenzmodell, denn die größere Wohnung hat der sowieso ob nun für Vollzeit ein Kind dort sitzen hat oder Teilzeit. Kleidung ist auch meist genausoviel vorhanden und nur für die Verpflegung recht der Kindesunterhalt dicke aus, und ggf kann dann sogar noch ehegatten Unterhalt geltend gemacht werden, womit es sich richtig lohnt.

      Und komischerweise kenne ich wenig Männer die das Residenzmodell für sich beanspruchen (womit sie dann wegistens einen finanziellen Nutzen hätten, wenn Mütter den Unterhalt zahlen würden).

      • jochen sagt:

        Deine Kommentare waren sehr lang und in ihnen wird nicht deutlich, dass du dich auf meine Argumente einlässt. Ich muss zwischendurch zwei Kinder versorgen und schaffe es deshalb nicht innerhalb von einem Nachmittag auf alle Argumente gleichermaßen einzugehen.

        Für den heutigen Tag deshalb gerade nur noch kurz meine Gedanken zur Frage, ob es für den Vater einen finanziellen Unterschied macht zwischen Wechselmodell ohne und Residenzmodell mit Unterhalt: Auch beim Residenzmodell braucht der Vater eine Wohnung, in der das Kind schlafen kann, wenn er das Kind jedes zweite Wochenende oder vielleicht sogar noch etwas mehr bei sich haben möchte. Dazu kommt dann noch der Unterhalt. Außerdem macht es einen großen Unterschied, ob das Geld selbst ausgegeben wird oder der Mutter als Unterhalt überwiesen wird. Viele Väter sind nicht bereit, diese Macht darüber, wofür das Geld ausgegeben wird, an die Mutter abzugeben. Auch das bräuchte alles noch weitere Erläuterungen, ich hoffe es wird aber zumindest ansatzweise klar, worauf ich mit dem von dir zitierten Satz hinauswollte.

      • jochen sagt:

        Ich habe den weiteren Kommentar wieder entfernt. Meine Argumente werden absichtlich missverstanden. Der Kommentar enthält dieselben Ausreden wie alle anderen Kommentare vorher und unterstellt Positionen, die ich nicht geäußert habe. Das kann gerne auf dem eigenen Blog ausgebreitet werden. Hier habe ich keine Lust darauf.

  3. Anna sagt:

    Hallo Jochen, genau so denke ich auch. Vielen Dank für diese sehr gut geschriebenen Artikel, wo Du es auf den Punkt bringst. Nur, dass ich es gar nicht lustig finde. Zuerst bin ich allein erziehend mit Mann und nach der Trennung will er auf einmal für die Kinder da sein und die wollen partout nicht.

    MfG, UU

  4. Mara sagt:

    Hallo Jochen! Danke, dass du ein Vater bist, der nach der Trennung noch „mütterfreundlich“ ist! 🙂 Geschieht ja nicht allzu oft. Erst halten sich viele Väter gerne raus aber dann wollen sie plötzlich „da sein“, die Erfahrung (persönlich und umfeldbedingt) zeigt allerdings, mit wie viel Arroganz (und Arroganz ist auch Unsicherheit!) Männer dann bitteschön plötzlich den gleichen „Anspruch“ haben wollen wie die Frauen, gerne auch um ihnen eins „auszuweichen“. Traurig. Und leider sehe ich viele solcher Fälle.

  5. Anna sagt:

    Danke, aus tiefstem Herzen. Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Ich hätte mir immer so sehr mehr Beteiligung des Vaters gewünscht, der hatte vor der Trennung aber immer tausend ach so wichtige Gründe, sich rauszuhalten. Und nach der Trennung dann der große Krach um den Umgang. Dabei hätte er ja meinetwegen gern mehr Umgang und Wechselmodell haben können – nur hat das eben dem Kleinen nicht gutgetan, weil der sich auf einmal jede Woche mehrtägig von seiner bis dato aus den von dir so wunderbar beschriebenen Gründen wichtigsten Bezugsperson getrennt sah. Die Zeit war für den Kleinen sehr sehr schlimm und nur deswegen, bzw. auf dringendes Anraten der Beratungsstellen, hab ich das Wechselmodell angefochten. Das Argument, ich würde doch nur Unterhalt kassieren wollen (kam, klar), ist in meinen Ohren der blanke Hohn. Denn während er locker-flockig wie vor der Trennung Vollzeit arbeiten und pendeln kann, kämpfe ich – auch dank gerichtlich erwirktem Umzugsverbot – schwer um meine berufliche Existenz, da existenzsichernde Arbeitszeiten mit Kind in meinem Beruf ohne familiäre Rückendeckung nicht möglich sind. Ich bin also auf die Kröten existenziell angewiesen.

  6. Lisa sagt:

    Schade, sowohl im Artikel als auch in den Kommentaren geht es mir viel zu sehr um das, was Mütter / Väter wollen, wer welches Recht in Anspruch nehmen darf usw. Für wen was gerecht wäre.
    Wieso wird eig so selten aus Kinderperspektive diskutiert? Ich will mich da auf keine von beiden Elternseiten stellen, falls es die so überhaupt gibt.
    Hier ein Beispiel, um zu verdeutlichen, was ich meine: „Wie absurd, dass Väter gerade in Zeiten einer Trennung, wenn jede Kommunikation sowieso schon schwierig ist, plötzlich die Zeit mit Kind völlig neu aushandeln möchten.“ -> wie schön für das Kind vllt, dass der Vater sich mehr kümmern will? Und ein Vater, der abends eine Stunde da ist, ist immer noch mehr da, als einer, den man 2 Wochen nicht sieht oder?
    Abgesehen davon, finde ich es schwer, eine allgemeine Diskussion zu starten, was für ein Kind wo wie am Besten wäre. In jedem Fall geht es einem Kind im „Elternkrieg“ nie gut, ganz gleich welches Modell, das ist meine Überzeugung. Vielleicht sollten wir also aufhören zu diskutieren mit welchen Anteilen ein Kind wo Zeit verbringen sollte. Das hilft dem Kind nicht viel weiter, wichtiger ist es ihm doch, dass es offen beide Eltern lieben darf und das auch zeigen kann. Es wäre doch also viel netter, mal zu diskutieren, wie Streitereien gelegt werden können und wie eine gute Elternschaft GEMEINSAM gelingend gelebt werden kann…

    • jochen sagt:

      Liebe Lisa,
      danke für deinen Kommentar. Genau darum geht es doch – zumindest so wie ich es meine. Für ein Kind wäre es meiner Ansicht nach am besten, wenn die Eltern nach einer Trennung nicht alle bisherigen Entscheidungen über den Haufen werfen und – genau wie du schreibst – einen Streit um eine neue Aufteilung beginnen und vor Gerichten diskutieren, wie viel Zeit ein Kind wo verbringen sollte. Vielmehr erscheint es mir für die Kinder sinnvoll, wenn die Hauptbezugsperson Hauptbezugsperson bleibt. Das Problem ist doch, dass viele Väter genau damit dann plötzlich nicht mehr einverstanden sind, weil es für sie bedeutet, dass sie Unterhalt zahlen müssen.
      Viele Grüße!

      • Lisa sagt:

        Ich sage, auch nicht, dass sie alle bisherigen Entscheidungen über den Haufen werfen sollten. Aber zwangsläufig muss doch besprochen werden, wo die Kinder wann sind. Zwangsläufig hat das Kind doch von beiden Elternteilen (quantitativ gesehen) erstmal weniger. Es wird die verstritten Eltern wohl selten zeitgleich erleben. Und das erfordert eine neue Orientierung, also neue Absprachen.
        Definitiv soll auch nicht die Hauptbezugsperson künstlich wechseln. Ich stelle dann auch in Frage, ob es „den Vätern“ tatsächlich um Unterhaltszahlungen geht. Aber darüber will ich eig auch gar nicht diskutieren, denn dann würde ich mich genau in eine solche Perspektive begeben, in der das Kind außer Blick gerät.
        Denke einfach nur, dass der Artikel, so wie er geschrieben ist, eine Diskussion nur anheizt und wenig darauf aufmerksam macht, den Fokus mal ganz neu, fernab von dem Streit zu legen, in dem so viele zu gefangen sein scheinen..

    • Lutz Bierend sagt:

      Lisa, das sehe ich genauso.

  7. sarah sagt:

    Lieber Jochen, ich bin zwar noch keine Mutter, dafür ein inzwischen erwachsenes „Scheidungskind“. Mit meinem Ehemann versuche ich heute ein so gleichberechtigtes Leben wie nur möglich zu führen! Damals War es einfach üblich den Vater nur alle zwei Wochen zu sehen, heute habe ich keine enge Bindung zu ihm, da er einfach nicht regelmäßig da sein konnte. Ich bin daher von deinen Argumenten mehr als begeistert! Und hoffe sehr, dass mein Mann und ich es schaffen werden dir 50/50 Hürde zu meistern. Für euch alles Gute!

  8. Rebecca sagt:

    Ein unfassbar guter Artikel! Allein deshalb, weil es offenbar doch möglich ist, dass ein Mann sich in solch einer Situation reflektieren kann.

    Danke dafür!

    Beste Grüße
    Rebecca

  9. Seren sagt:

    Hallo, danke für den interessanten Beitrag.

    Ich habe die Möglichkeit, aus eigener Erfahrung beide Modelle zu vergleichen. Das 50/50-Modell ist mir dabei deutlich lieber. Es tut gut, nicht allein verantwortlich zu sein, in der Partnerschaft genau wie danach. Nicht nur mir – auch dem Kind, auch dem Vater. Ich sehe kaum, wieso man das nicht haben wollte. Da muss es schon schwerwiegende Gründe geben, wie auch immer gelagert. Aber ich kann natürlich schlecht für andere sprechen… Nur soviel, aus dem echten „Es geht auch anders“-Leben.

  10. Bella sagt:

    Wie schön, dass dieses „Phänomen“ auch einmal öffentlich thematisiert wird. Ich denke, ein Teil der sich Trennenden hat damit zu tun, wie auch mit anderen definierten Phänomenen / Varianten (z.B. Gruppe der Väter, die sich nach Trennung ganz von ihren Kindern zurückziehen).

    Ich hatte es auch mit einem plötzlich erwachendem Interesse am Kinde nach Trennung zu tun. Vor der Trennung war es quasi undenkbar, dass der Vater auch nur irgendwelche Pflege- und Betreuungsleistungen erbrachte – mal freiwillig mit dem Kinde am Wochenende eine Stunde auf den Spielplatz oder zum Einkaufen, Abholung von der Kita – komplette Fehlanzeige, oder nur Ausnahmsweise, wenn ich es x-mal und unter Tränen eingefordert hatte. Dabei darf man das Verhältnis zum Kinde aber nicht als kalt oder völlig desinteressiert beschreiben.

    Wobei der Vater als Selbständiger bzw. Unternehmer (Unternehmen im Hause) eine hohe Flexibilität und einen hohen Freiheitsgrad hatte und hat, die Betreuung möglich zu machen. Die „Entschuldigung“, dass der Vater in der Vor-Trennungszeit vom Arbeitsleben völlig aufgesogen war, oder dass er von der Mutter an Erziehungsarbeit gehindert wurde, kann also in unserem Falle nicht greifen.

    Nach der Trennung (Kind 4 Jahre alt) dann eine extreme Kehrtwende, mit Einforderung eines Wechselmodells mit einem leichten Betreuungsübergewicht beim Vater. Ich denke, neben der Angst, eine weitere Bindung zu verlieren, spielte ein sehr aggressiver Anwalt in der Angelegenheit auch eine Rolle: Unterhalt sollte natürlich für das Kind nicht im Raume stehen, so wie ich auch in finanziellen Dingen massiv unter Druck gesetzt wurde.
    Diese Absurdität, dieses Phänomen, richterlich klären zu lassen, stand für mich außer Frage, weil es sich um fremde Dritte handelt, die Jura studiert haben – was sollten die bitte schön in familiären Belangen mit Leuten, die sie nicht kennen?

    Nun, nach mittlerweile sieben Jahren dieses Modells ist meine Gemütslage weiterhin sehr „angestrengt“ – einerseits sehe ich den Vorteil, dass das Kinde einen vertieften Kontakt zu dem im seinen Rahmen engagierten Vater hat. Andererseits wird halt nach wie vor unterschätzt, wie viele kleinteilige, selbstlose, organisatorische, pädagogische Handlungen etc. vonnöten sind, um so einen kleinen Menschen heranzuziehen. Es ist eine Präsenz nötig, die Menschen vom Typus meines Ex-Mannes so nicht wirklich leisten möchte, so wie auch nie der Abwasch gemacht werden wollte. Das Interesse liegt vielmehr an „großen Dingen“ – Geld verdienen, sich sichtbar gegenüber anderen zu profilieren. Ein süßes, intelligentes Kind ist da auch erst einmal interessant, aber dass im Alltag viele unspektakuläre, zuverlässige Handlungen gemacht werden müssen, damit der Alltag für das Kind rund läuft, ist nicht auf dem Schirm.
    Die Folge ist, dass ich / wir vieles kompensieren müssen, und es dem Kinde auch nicht immer gut mit der Gesamtsituation geht.

    Ich hatte oben schon die „juristische“ oder „öffentliche“ Lösung angesprochen – all diese Konflikte und Geschehnisse finden ja im privaten Bereich statt. Wer Gerechtigkeit anstrebt, steht womöglich auf absolut verlorenem Posten, weil der „objektive“ Einblick Dritter in das familiäre Geschehen vor / nach Trennung quasi nie in einer verwertbaren Form stattfindet.

  11. Afra sagt:

    Hallo Jochen!

    Der Vater meiner Kinder war bei der Trennung auch sehr laut mit „und du nimmst mir meine Kinder nicht weg!“

    Schön! Will ich garnicht. Wie teilen wir die Zeit ein, dass jeder zur Hälfte die Kinder versorgen kann?
    Daraufhin zog er weit genug weg, dass ein täglicher Kontakt nicht möglich wäre. Aber dass ich in eine weit entfernte Stadt, wo ich tatkräftige Unterstützung bei der Kindererziehung hätte, ziehe, geht natürlich auch nicht. Dann bin ich ja der böse kinderraubende ExDrache. Und muss jetzt um jeden Zentimeter mehr über dem 14-Tage-Wochenende kämpfen. Weil er muss arbeiten. Ich ja auch, Vollzeit, aber ich soll mich doch bitte nicht so haben, wenigstens einmal an die Kinder denken und Halbtags arbeiten. Ich könne ja schließlich Gelder vom Staat bekommen zwecks Lebenssicherung.

    Aber wir alleinerziehenden schwelgen ja geradezu in unermesslichen Reichtümern die wir hinterrücks und boshaft unseren Expartnern abluchsen.

  12. K+M sagt:

    Hallo Jochen,
    vielen Dank für deinen Artikel und deine Sichtweise. Wir leben in einer Partnerschaft und praktizieren das 75/75 Modell. Gerade zur Kindergartenzeit funktioniert das super im nächsten Jahr in der Schule, mal sehen. Die Gesellschaftlichen und Unternehmerischen Ressentiments sind nicht zu verachten und lassen einen am eigenen Modell zweifeln. „Was sie arbeiten soviel (Frau)/sowenig(Mann)“.
    Aber neben den Männern für die es sicherlich bequemer ist mehr arbeiten zu gehen und weniger Kinderzeit etc zu haben liegt eine Schuld genauso an der Frau Ihr berufliches Fortkommen und die Familienzeit von den Männer einzufordern. Mit welchem Selbstverständniss viele Frauen zuhause bleiben schockiert mich immer wieder und lässt mich auch an meinem Frauenbild zweifeln.
    Schöne Grüße Kathrin

  13. Shanna sagt:

    Hallo Jochen,

    sehr guter und trefflicher Artikel.
    Nur bezüglich Wechselmodell muss ich doch ganz klar widersprechen und möchte wegen der enormen Wichtigkeit um bessere Information bitten.

    Denn selber wenn beide Elternteile sich noch so gut verstehen und selber wenn das Kind oder die Kinder immer in der gleichen Wohnung bleiben und sich dort nur die Elternteile regelmäßig abwechseln würden – wäre dies doch eine beträchtliche zusätzliche Belastung für das Kind, welches sich je nach Turnus ständig auf eine neue Person einstellen muss. Denn schließlich sind Vater und Mutter eigenständige Persönlichkeiten.

    Diese Belastung ist umso mächtiger je jünger das Kind ist. Schau, die Voraussetzungen (insbesondere die wichtigsten Faktoren) für eine gelingende gute psychische, physische und soziale Entwicklung des Kindes sind hinreichend wissenschaftlich erforscht und auch faktisch nachgewiesen. Diese allerwichtigsten Voraussetzungen sind neben liebvoller Fürsorge und Empathie auch insbesondere Zuverlässigkeit, Sicherheit und Stabilität in Bezug auf eine feste Bezugsperson und auch die Umgebung. Nur so können optimal stabile Bindungen, Vertrauen, Empathie und Selbstbewusstsein entstehen. Die Entwicklung im Kindesalter bestimmt auch wesentlich die psychische, physische und soziale Stabilität als Erwachsene und dabei auch insbesondere die Lernfähigkeit, soziale Kompetenz und Bewältigung von Stress, Schwierigkeiten etc.

    Am Wichtigsten sind dabei bekanntlich das erste Lebensjahr und dann die weiteren zwei Jahre. Ab dann „üben“ die Kinder zunehmend selber soziale Kontakte zu anderen Kindern, bilden beste Freundschaften und Gruppen-Freundschaften, gehen in Vereine oder sonstige Interessengruppen. Quasi dann, wenn die Eltern etwas von totaler Wichtigkeit „abnehmen“ – sind diese Gruppen, Freundschaften und sozialen Kontakte zunehmend wichtig. Gute Freundschaften und feste soziale Einbindung gelten auch zudem als maßgeblicher positiver Faktor für gutes Wohlbefinden und Gesundheit. Dazu gibt es jede Menge Literatur.

    Aber das Wechselmodell ist so ziemlich das genaue Gegenteil.
    Gerade Säuglinge und Kleinkinder werden doch dadurch von Anfang an systematisch zerstört. Und ansonsten ist dieses Modell allenfalls ein sicherer Weg, um aus Kindern Nervenbündel zu machen. Wenn dann die Wohnungen der Eltern vielleicht sogar weit auseinander liegen – sind feste Freundschaften und Kontakte sehr erschwert bis unmöglich. Denn wie sollen sich feste Freundschaften entwickeln, wenn das Kind nur alle 14 Tage anwesend ist? Dieses Modell ist doch der totale Irrsinn.

    Kinder sollten deshalb bei Trennung/Scheidung da hauptsächlich als Lebensmittelpunkt verbleiben, wo die meiste Bindung besteht. Und Eltern sollten dabei tunlichst die eigenen Befindlichkeiten (oder sogar Besitzansprüche! ) zurückstellen und zuallererst entsprechend den Bedürfnisse (und Rechte) des Kindes entscheiden und handeln.
    KInder haben schließlich lt. KInderrechtskonvention auch ganz konkrete eigene geltende Rechte.

    Viele Grüße

    • jochen sagt:

      Liebe Shanna,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar.
      Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind keinesfalls so eindeutig, wie du es darstellst. Im Gegenteil: Kinder und auch Säuglinge profitieren bereits davon, wenn sie zu mehreren Personen Bindungen aufbauen können. Meine kleine Tochter lebt, seit sie vier Monate alt ist, etwa zur Hälfte in zwei Haushalten bei insgesamt drei festen Bezugspersonen.
      Viele Grüße
      Jochen

      • Shanna sagt:

        Hallo Jochen,
        aber da muss ich Dir definitiv widersprechen, und ich bin mir deshalb da so sicher, weil ich diesbezüglich eine berufliche Ausbildung besitze wie auch langjährige persönliche Erfahrung. Ich war einige Jahre abwesend – und bin über diese Entwicklung hierzulande überaus entsetzt.

        Denn auch wenn dieses Modell von den Eltern noch so gut gemanagt wird – so werden diese Kinder immer auch im besten Fall beträchtlich zusätzlich belastet, wie beschrieben. Denn die Entwicklung der Kindheit passiert nicht irgendwie – sondern Kinder werden dabei ständig gefordert und können deshalb durch nichtkindgerechtes Verhalten und Umgebung auch leicht überfordert werden. Genetisch robuste Kinder und andere günstige Faktoren können kompensierend wirkend – aber wirklich optimal ist dies für diese Kinder jedenfalls nicht. Und so ein Wechsel für ein 4 Monate altes KInd – sorry, aber ie Kleine tut mir da wirklich leid,

        Total verheerend für betroffene Kindern ist dies jedoch, wenn es generell zwische den Eltern nicht nicht günstig läuft oder/und noch weitere negative Faktoren – wie oben genannt – hinzukommen. Mir ist wirklich keine einzige seriöse wissenschaftliche Studie bekannt, in welcher etwas anderes als die von mir oben genannten Faktoren und Zusammenhänge festgestellt werden. Umgekehrt werden jedoch bei psychisch oder physisch kranken Personen aller Altersstufen häufig mehr oder weniger große Defizite gerade in dieser Kindesentwicklung festgestellt.

        Meines Wissens und Erfahrung nach benötigen Kinder – insbesondere Säuglinge und Kleinkinder – optimal eine feste zuverlässige Bezugsperson, wobei später durchaus noch weitere im engeren Kreis dazukommen können, und in der Not können das sicherlich auch mehrere sein, wobei jedoch eine einzige Person die hauptsächliche Bezugsperson ist. Und dann zumindest nicht auch noch gleichzeitig die Umgebung gewechselt wird. Auch bei außerhäuslicher Kinderbetreuung bleibt die Umgebung dieselbe und insbesondere der Lebensmittelpunkt Zuhause und Bezugsperson immer gleich.

        Viele Grüße

        • Eva sagt:

          Aus tiefstem Herzen Danke für diesen vehement kindeswohl-fokussierten Beitrag!
          Ich hab mal in jungen Jahren ein paar Wochen auf einen 3 jährigen Jungen aufgepasst, der zwar immer am selben Ort, und auch im Beisein seiner Mutter im Geschäft, von dauernd wechselnden Babysittern „betreut “ wurde. Dieses Kind war zu diesem Zeitpunkt schon völlig neben der Spur. Es tat mir in der Seele weh, dieses zerstörte unruhige Wesen zu beobachten! Man konnte es in seinen Augen sehen, dass er nicht wusste, wohin er eigentlich gehört. Natürlich ein Extrembeispiel. …aber es hat mich das Wichtigste gelehrt: ein Kind braucht, je jünger es ist, so wenig wie möglich Wechselhaftigkeit!
          Kinder brauchen gerade nach einer Trennung Ruhe und haben das Recht auf Frieden. Sie müssen verlässlich wissen, wo ihr Zuhause ist.
          Ansonsten finde ich es gut, dass endlich mal ein Mann nicht Ex-Ollen-Feindlich ist.
          Danke auch hierfür!
          LG Eva

  14. Anya sagt:

    Danke für diesen Beitrag, Jochen. Das ist ja leider eines der Themen, bei denen Statements von Frauen weniger ernst genommen werden als die von Männern. Gerade von der Fraktion der Vätervereine a la „Meine Exfrau lässt mich die Kinder nicht sehen“ gab es damals auch sehr verbitterte Kommentare auf mein Buch über Solomütter und leider war da auch kaum eine sachliche Kommunikation möglich. Aber steter Tropfen höhlt den Stein …

  15. Beyer sagt:

    Wenn ich das so lese, dann lese ich hier die Interessen der Eltern die sicherlich unterschiedlich sein können, auch von der Stimmung der Trennung her. Aber was ist mit den Kindern? Sollten die nicht die Personen sein die im Vordergrund sind? Da meine Kinder immer viel besuch hatten, haben wir auch immer wieder mitbekommen, wie Kinder die alleinerziehend Aufwachsen das ganze mitbekommen. wie Unterschiedlich die Reaktionen auf Trennung der Eltern ausgefallen sind. Was aber alle durchweg zeigten das es eine Belastung für sie ist. Ich meine also gerade nach einer Trennung sollte man auch wenn es sehr schwer fällt, nicht seine eigenen Interessen Vertreten sondern schauen das die Kinder nicht die leittragenden sind. auch wenn es dann wirklich bedeuten sollte für Vater oder Mutter auf Kontakt zu verzichten oder den Kontakt zu fördern. Die Kinder sind nicht die Verursacher sondern die Opfer.

  16. Winter sagt:

    Die Zahlen der Trennungen und Scheidungen hat im letzten Jahr einen traurigen Höhepunkt erreicht.
    Ein Wechselmodell als Standard führt in Gesellschaften, in denen es keine gleiche Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern gibt und Sorgearbeit sowohl finanziell als auch gesellschaftlich keine Anerkennung erfährt, dazu, dass Elternteile, die in der Kleinkinderzeit Karriere gemacht und sich nicht an der Betreuungsarbeit beteiligt haben, von der Trennung profitieren und geradezu zur Trennung ermuntert werden.

    Ein Wechselmodell als Standardlösung ist für solche Elternteile überaus attraktiv: Wenn die Kinder noch klein sind, wird auf die Sorgearbeit des anderen Elternteils abgestellt. Wenn sie alt genug für die Fremdbetreuung sind, wird die Trennung vollzogen.

    Für ehemals nicht betreuende Elternteile ergibt sich dadurch ein großer Vorteil: Man kann sich jüngeren PartnerInnen zuwenden oder in der kinderfreien Woche die Vorteile der guten gesicherten beruflichen Existenz ausbauen. In der Kinderwoche werden die nun schon großen Kinder abends aus der Fremdbetreuung bzw. von Freunden abgeholt und der Status „als „neuer Vater“ genossen, während man finanziell gegenüber dem Leben vor der Trennung keinerlei finanzielle Einbußen hat.

    Ganz anders sieht es dagegen bei denjenigen Elternteilen aus, die ihre Karriere dafür geopfert haben, Kinder als Babies und Kleinkinder zu betreuen. Sie stehen mit dem Zeitpunkt der Trennung vor dem Nichts: Sie können oft nicht einmal einen Beruf ausüben, weil sie nach den Geburten mehrerer Kinder oft keine Chancen mehr haben, aber auch den Ort nicht verlassen dürfen.

    Auf diese Weise entsteht eine Zweiklassengesellschaft, was zu verstärkten Nachtrennungskonflikten zwischen den Eltern und zu Loyalitätskonflikten bei den Kindern führen kann. Laut VAK sind in den letzten Jahren die Zahlen eskalierter Umgangskonflikte rapide gestiegen, was im letzten Jahr zu einem Höhepunkt behördlich verordneter Eltern-Kind-Trennungen geführt hat.

  17. Björn sagt:

    Unglaublich ignoranter Artikel. Alles was Du über die Väter die für Gerechtigkeit kämpfen weisst ist eben das – wie sie ihr Familienleben vorher geregelt haben weisst Du nicht, stattdessen nimmst Du ein Vorurteil und schmeisst alle in einen Topf.

    Aber es stimmt in gewisser Weise daß der Kampf für Gerechtigkeit schon vorher beginnen müsste, für mehr Teilhabe am Familienleben. Du glaubst an die feministische Version daß Männer das gar nicht wollen sondern ihre Frauen gegen deren Willen Zwingen Zeit mit Familie zu verbringen anstatt zu arbeiten (bei euch ist es aber nicht „Zeit mit Familie“ sondern „Sozialarbeit“ – muss ja echt schrecklich sein Zeit mit eueren Familien zu verbringen).

    Diese „Geschichte“ macht meiner Meinung nach keinen Sinn, schon alleine deswegen weil niemand gewzungen wird Kinder zu bekommen. Kinder bekommt man normalerweise weil man es schön findet sie zu haben, daher glaube ich einfach nicht an diese Geschichte der versklavten Mütter die eigentlich sooo gerne Arbeiten würden anstatt Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Erst Recht wenn man bedenkt welche Jobs die meisten Menschen haben – ist es wirklich so viel besser als Verkäuferin im Supermarkt zu arbeiten als Zeit mit seinen Kindern zu verbringen?

    In Wahrheit ist es keine Bürde sondern ein Privileg daß Frauen so viel Zeit mit ihren Kindern verbringen dürfen. Ich finde es noch nicht mal ungerecht, sie verdienen es durch die Schmerzen und Leidern der Schwangerschaft und Geburt. Deshalb haben Frauen das größere Anrecht darauf Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, und deshalb nehmen Väter meistens nur 2 Monate Elternzeit und die Mütter bekommen die 12 Monate, anstatt Hälfte Hälfte zu machen. Vielel Frauen treffen diese Entscheidung schon bevor sie überhaupt einen Partner oder Kinder haben, indem sie einen Beruf wählen mit dem sie die Familie sowieso nicht ernähren könnten. Auch hier greift die feministische Geschichte der unterbezahlten Frauenarbeit nicht, da die Gehälter der meisten Berufe im Voraus bekannt sind (z.B. Grundschullehrerin vs Gymnasiallehrerin, Kinderärztin vs Herzchirurgin) – es ist eine bewusste Entscheidung der Frauen das Haupteinkomen zur Verantwortung ihrer zukünftigen Männer zu machen.

    Wie gesagt, das ist auch Gerecht so aufgrund des höheren Opfers das Mütter für die Geburt erbringen müssen, deshalb ist es auch nicht Scheinheilig wenn Männer nicht für mehr Elternzeit etc kämpfen und dann nach der Schiedung Besuchszeiten erkämpfen wollen.

    Übrigens ist zu geringes Einkommen der häufigste Scheidungsgrund, woran auch zu erkennen ist daß von den Müttern Druck auf die Männer ausgeübt wird zu arbeiten.

    Wenn Du es in Deiner Familie anders hinbekommst bist Du einfach privilegiert, deshalb bezeichne ich Deinen Artikel auch als ignorant. Ich habe mir auch sehr viel Zeit für meine Kinder genommen (tue es noch), aber ich hatte gut verdient als IT Konsultant und bin mir bewusst das eben nicht jeder diese Möglichkeit hat. Die Väter die sich die Zeit nicht nehmen können tun mir leid.

  18. Björn sagt:

    Ach ja, noch was: wenn Deine Annahme stimmt das Mütter eigentlich wollen daß die Väter sich mehr um die Kinder kümmern, warum müssen die Väter dann vor Gericht ziehen? Die Mütter müssten ihre Kinder doch dann freiwillig abgeben?

  19. Tobias sagt:

    Ich gehöre zu den angesprochenen sechs Prozent der Väter, die länger als zwei Monate in Elternzeit gegangen sind.

    Häufig vergesse ich, dass ich damit zu einer Minderheit gehöre. Ich bin dann etwas gekränkt, wenn argumentiert wird, dass Frauen nach einer Scheidung automatisch das alleinige Sorgerecht oder irgendeine Bevorzugung bekommen sollten (darum geht es hier doch, oder?). Wenn ich mir dann vergegenwärtige, dass ich eben zu einer Minderheit gehöre, kann ich die Argumentation (die allermeisten Männer wollen wenn, dann erst nach der Scheidung mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen; vorher sind sie glücklich in ihrer Ernährerrolle; daher sollte die Frau nach einer Scheidung automatisch das alleinige Sorgerecht bekommen) etwas besser nachvollziehen.

    Trotzdem: Aus einer feministischen Perspektive heraus finde ich es befremdlich, wenn Frauen bei einer Scheidung primär als Mütter, Männer primär als Ernährer gesehen werden (sollen), ganz egal was vor der Scheidung gelebt wurde. Frauen können doch erst dann die gleichen Lebensbedingungen und -chancen erreichen, wenn diese Asymmetrie (Frau = Mutter, Mann = Ernährer) aufgebrochen wird. Oder nicht?

    Ich sehe bei einer einvernehmlichen Scheidung – aus einer feministischen Perspektive heraus – jedenfalls keinen Grund, warum es nicht automatisch zu einem gemeinsamen Sorgerecht (möglichst mit Wechselmodell) kommen sollte.

    PS: Habe gerade dein erstes Buch gelesen und mich in vielen Beobachtungen wiedergefunden (außer halt beim Thema Sorgerecht) und wünsche dir alles Gute im neuen Jahr.

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