Männer müssen Mütter werden!

In einem Artikel heute auf Edition F schreibt der Journalist Philipp Menn über seine Elternzeit in der „väterfreien Zone“. Ich kann es völlig nachvollziehen, wenn er schreibt, dass er das Bedürfnis habe, „darüber zu reden, über die kleinen Fortschritte im Babyleben, über die Anspannung und die Angst, Fehler zu machen“. Sein Problem ist jedoch: Er möchte nicht mit irgendwem darüber reden. Wenn er gezwungen ist, mit Müttern darüber zu reden, steigt die Wut in ihm auf.

Statt nur Mütter beim Babyschwimmen und in der Krabbelgruppe zu treffen, wünscht er sich andere Väter, die mit ihm über „Sport, Politik oder Fußball“ plaudern und seine „väterlichen Sorgen“ teilen – wie auch immer sich diese von mütterlichen Sorgen unterscheiden.

Menn beschreibt, dass er sich 36 Jahre lang kaum für Gleichberechtigung interessiert habe. Seit dem 20. April sei er nun Feminist:

Vielleicht hätte er sich nach seiner Konversion zum Feminismus lieber noch ein paar Tage mehr Zeit nehmen sollen, um in Ruhe darüber nachzudenken. Stattdessen wertet er die Mütter um ihn herum als „Müttermeute“ und „mütterliche Parallelgesellschaft“ ab, behauptet diese würden sich hauptsächlich für „Stillbeschwerden und Beckenbodenregeneration“ interessieren und wundert sich dann, warum ihn nicht alle dieser Mütter aufgrund seines grandiosen, mittlerweile vierzehntägigen feministischen Engagements super finden.

Dass zu feministischer Vaterschaft meiner Ansicht nach etwas mehr gehört, habe ich bei umstandslos beschrieben. Und das zwanghafte Abgrenzungsbedürfnis vieler Väter von Mütter und ihren vermeintlich uninteressanten Mütterproblemen ist sowieso eines meiner Lieblingsthemen, da steigt bei einem solchen Text schnell mal die Wut in mir auf.

Im Gegensatz zu Philipp Menn liegt mein persönliches Problem vielmehr darin, dass ich manchmal nicht so viel Mutter sein kann, wie ich gerne möchte: „Ich hab heute ein Muttertagsgeschenk gebastelt“, erzählt mir Fritzi nach der Schule. „Weißt du schon, wem du es schenkst?“, frage ich zurück. „Na, meiner Mama“, antwortet sie. „Mir?“, „Nein, meiner Mama!“ Es fällt mir schwer, meine Enttäuschung zu verbergen. Es geht mir nicht darum, unbedingt dieses Geschenk zu bekommen. Es geht mir auch nicht um den Muttertag und die damit verbundene Ehrung meiner Leistung als Mutter. Ich trauere m_einer queeren Utopie hinterher, eine Mutter zu sein.

In der letzten Zeit gab es immer mal wieder Artikel mit Titeln wie „Männer müssen Feministen werden“ oder „Deutschland braucht mehr Feministen!“ Wenn ich lese, was manche Männer darunter verstehen, wünsche ich mir, sie würden das mit dem Feminismus sein lassen und fordere stattdessen: „Männer müssen Mütter werden!“ – in der Hoffnung auch in Zukunft nicht mit anderen Vätern auf dem Spielplatz über Fußball plaudern zu müssen.

1 Antwort

  1. 5. Mai 2016

    […] vierzehntägigen feministischen Engagements super finden“, wie es Jochen König (http://jochenkoenig.net/2016/05/04/manner-mussen-mutter-werden) schön formuliert. […]

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