Die Blogfamilia und ich

2016-05-05 15.34.16

In der letzten Woche war ich bei der Elternblogger_innenkonferenz Blogfamilia. Für einen Tag trafen sich über hundert Elternblogger_innen zur Fortbildung, zum Austausch und zum Networking im Pfefferberg in Berlin.

Als ich vor etwa sechs oder sieben Jahren anfing, Elternblogs zu lesen, war deren Anzahl noch recht übersichtlich. Ich bilde mir ein, für einen gewissen Zeitraum alle relevanten Elternblogs in meinem Feedreeder versammelt und alle neu erschienenen Texte gelesen zu haben. Irgendwann wurden es immer mehr, besonders in den letzten zwei Jahren ist die Zahl explodiert und es hat sich auch darum herum einiges verändert. Mittlerweile wäre es ein Vollzeitjob, alles zu lesen.

Das große Thema der Elternblogger_innen ist aktuell die Professionalisierung. Mit der wachsenden Zahl von Elternblogs wird es immer schwieriger, sich aus der Masse abzuheben. Gleichzeitig lesen in Zeiten der großen Krise des (Print-)Journalismus immer mehr Menschen Blogs. Das heißt, die Reichweiten der bekannten Blogs werden größer und mit großen Reichweiten lässt sich auch Geld verdienen.

Inhaltlich haben mich viele Vorträge nur so halb interessiert. Ich weiß jetzt, dass meine Fotos bei instagram heller werden müssen, damit sie mehr Likes bekommen. Und wenn ich groß bin, kaufe ich mir vielleicht ne tolle Kamera und so ne Lampe für bessere Fotos zuhause. Oder funktioniert das nur umgekehrt?

anbaden im #prinzessinnenbad

Ein von Jochen König (@koenigjochen) gepostetes Foto am

Viel spannender fand ich es, Menschen zu treffen, die ich toll finde, deren Texte ich teilweise seit Jahren lese, über die ich deshalb schon so viel weiß und die manchmal auch schon einiges über mich, mein Leben und meine Familie wissen. Allein für die Gespräche in den Pausen in der Sonne auf dem Hof hat sich mein Besuch bei der Blogfamilia vollkommen gelohnt.

Im Rahmen der aktuellen Entwicklung finde ich die Frage spannend, inwieweit mit einer Professionalisierung und wachsenden Reichweiten auch eine Normalisierung einhergeht. Bloggerinnen erzählten mir auf der Blogfamilia, dass sie nicht über die Besonderheiten ihrer eigenen Familienkonstellation berichten, weil sie sich mit ihrer Abweichung von der gesellschaftlich konstruierten Mama-Papa-Kind-Normalität nicht in eine solche große und unüberschaubare Öffentlichkeit trauen. Andere berichteten, dass sie aufgrund der Reaktionen im Netz wieder aufgehört haben, über bestimmte Aspekte zu schreiben.

Spätestens beim letzten Programmpunkt des Tages, einem Panel zum Thema Hate Speech, wurde deutlich, wie unterschiedlich die Erfahrungen der einzelnen Blogger_innen mit Anfeindungen, Sexismus, Homophobie oder Ableism sind. Ich hoffe, dass dazu weitere Diskussionen folgen und das Thema im Zuge der Professionalisierung einiger weniger Blogs nicht untergeht. Und ich wünsche mir eine Diversifizierung statt Normalisierung der Elternblogger_innenfamilie.

Ich hatte in jedem Fall einen sehr schönen Tag, danke den Veranstalter_innen für eine gelungene Konferenz und freue mich schon aufs nächste Jahr. Weitere Berichte von der Blogfamilia gibt’s hier. (Ich habe auch fest vor, demnächst mal hier eine Linkliste/Blogroll zu basteln, um zu zeigen, welche Blogs ich lese und gut finde.)

2 Antworten

  1. „Bloggerinnen erzählten mir auf der Blogfamilia, dass sie nicht über die Besonderheiten ihrer eigenen Familienkonstellation berichten, weil sie sich mit ihrer Abweichung von der gesellschaftlich konstruierten Mama-Papa-Kind-Normalität nicht in eine solche große und unüberschaubare Öffentlichkeit trauen.“ … hm. interessant. und schade, wenn auch verständlich. betraf das anonym bloggende oder nur solche mit „klarnamen“?

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