Männer. Erfindet. Euch. Neu. – Rezension

2016-11-04-11-45-43
Björn Süfke nennt sich selbst Männertherapeut. Er arbeitet als Psychotherapeut mit Männern und analysiert in seinem Buch „Männer. Erfindet. Euch. Neu.“ aus dieser Perspektive sich wandelnde Männerbilder. Er beschreibt die „Gesetze“ der traditionellen Männlichkeit, die Probleme und Nachteile, die sich daraus in der Vergangenheit ergaben und dort, wo sie noch gültig sind, noch immer ergeben. Und er beschreibt den aktuellen „Zerfall“ dieser traditionellen Männlichkeit mit den wiederum daraus folgenden Herausforderungen, Chancen und Unsicherheiten.

Eine umfassende Analyse der absurdesten Ausprägungen eines traditionellen Männlichkeitsverständnisses findet sich mittlerweile in einigen Büchern zu dem Thema. Auch in Süfkes Buch nehmen Analyse und Kritik daran großen Raum ein. So beschreibt er beispielsweise ausführlich die Bedeutung des von ihm herausgearbeiteten „Leitsatzes“ traditioneller Männlichkeit: „Mann-Sein heißt, keine Gefühle haben“. Trotz ihrer Absurdität sind solche Vorstellungen natürlich nicht weniger wirkungsmächtig und eine Kritik nicht weniger notwendig.

Entsprechend seiner Tätigkeit als Psychotherapeut verweist Süfke mehrfach auf die jeder Krise zugrunde liegenden Chancen. Er beschreibt, wie traditionelle Männlichkeitsvorstellungen auch Männer einschränken und welche Möglichkeiten in der Krise der traditionellen Männlichkeit für alle Beteiligten liegen.

Komplizierter und meiner Ansicht nach spannender wird es jedoch erst, wenn die Fronten nicht mehr ganz so klar definiert sind, wenn die Ausprägungen traditioneller Männlichkeit subtiler und weniger eindeutig sind. Hier rudert Süfke schnell zurück. So schlecht war doch alles gar nicht. „Männer, die sechzig Stunden die Woche arbeiten, sind nicht per se karrieregeil und desinteressiert an ihren Kindern“ (S. 225) Ähnlich wie Mark Bourichter unterstellt Süfke Vätern quasi ohne empirische Grundlage grundsätzlich positive Intentionen, ob sie sich nun kümmern oder auch nicht: „Viele Väter arbeiten einzig und allein deshalb sechzig Stunden die Woche, weil – ja, sagen wir es ruhig – weil sie wollen, dass ihre Kinder es einmal besser haben als sie selbst.“ (S. 225/226)

Besonders ärgerlich wird es, wenn Süfke seitenweise immer wieder auf eine angebliche Männerdiskriminierung hinweist. Die Kritik an traditioneller Männlichkeit gehe heute so weit, „dass auch Struktur, Konsequenz und Verlässlichkeit mittlerweile als Anzeichen männertypischer Rigidität und Freiheitseinschränkung gelten.“ (S. 271) Das finde ich dann doch ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Ehrlich gesagt habe ich noch nie irgendwo von einer Kritik an Männern aufgrund ihrer vermeintlichen Verlässlichkeit gelesen.

Süfke schreibt: „Jungen sind heute die Deppen der Nation.“ (S. 178) Und überhaupt: Erstes Ziel müsse heute sein, die „Männerabwertung“ zu beenden. (S. 371) Er phantasiert von einem angeblich „weltweit gültigen Gesetz“, das besagt: „Frauen und Kinder zuerst!“ (S. 248) Er fabuliert von Vorschlägen zur „Reduzierung der Männer auf 10 Prozent der Gesamtbevölkerung“ (S. 252) und versucht sich andererseits dann wieder irgendwie anschlussfähig zu positionieren, indem er feststellt: „Einige meiner besten Freundinnen sind engagierte Feministinnen.“ (S. 256)

Während die Analyse zu Beginn noch recht gut gelungen ist, hab ich mich bei der Lektüre der zweiten Hälfte des Buches dann vor allem geärgert. Mein Fazit könnte ähnlich ausfallen, wie in meiner Rezension von Eduard Waidhofers „Die neue Männlichkeit“: „Wahrscheinlich gibt es wesentlich schlechtere Bücher zum Thema und gleichzeitig zeigt genau das, wie viel in der Auseinandersetzung mit Männlichkeit noch fehlt…“

Süfke, Björn: Männer. Erfindet. Euch. Neu. Was es heute heißt, ein Mann zu sein. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2016

1 Reaktion

  1. Also, ich habe keine besten Freunde unter den Väterrechtlern. Nope.
    (Gerne gelesen! Und den Ärger über die Platitüden kann ich sehr gut nachvollziehen.)

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