„Vater sein braucht Zeit“

2016-11-28-09-59-40
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend lud heute Vormittag unter dem Motto „Vater sein braucht Zeit“ in den Spreespeicher und es war gruselig. Ein Bericht des Grauens:

Dass im ersten Teil der Veranstaltung immer wieder der richtungsweisende Erfolg des Elterngelds beschworen wird, lässt sich noch verschmerzen. Ich bin da zwar anderer Ansicht, aber dass ein Ministerium kritisch mit den eigenen Maßnahmen umgeht, ist wahrscheinlich zu viel erwartet. Geschenkt. Immer wieder wird in den Eingangsstatements hervorgehoben, wie viele Väter gekommen seien und dass das ja ein deutliches Zeichen für die Wichtigkeit des Themas sei. Vor 20 Jahren hätte das Thema nur eine Handvoll Menschen interessiert, jetzt kommen immerhin etwa 60 oder 70 Personen. Für eine Veranstaltung mit der Möglichkeit der Ministerin persönlich zu begegnen, würde ich das, ehrlich gesagt, jedoch eher als enttäuschend bezeichnen. (Die Ministerin Manuela Schwesig hatte kurzfristig Wichtigeres zu tun und wird von der parlamentarischen Staatssekretärin vertreten.) Geschätzt besteht das Publikum zum großen Teil auch gerade nicht aus interessierten Vätern, sondern zu mehr als 90% aus Funktionär_innen und Verbands- sowie Unternehmensvertreter_innen.

Es beginnt die Workshop-Phase. Ich gebe zu, dass ich absichtlich am Workshop mit dem größten Gruselpotential teilnehme und dennoch wird meine Erwartung weit übertroffen. Zu Beginn wird eine Person gesucht, die Stichworte der Diskussion auf einem großen Pappwürfel notieren soll. Als sich eine Frau meldet, jubeln einige Männer spontan: Super, dass bei einer solchen Veranstaltung auch Frauen anwesend sind, die könnten schließlich viel ordentlicher und schöner schreiben!

2016-11-28-12-37-10Inhaltlich dreht sich dann fast alles darum, wie es gut verdienenden Vätern durch politische Maßnahmen noch leichter gemacht werden könnte, mehr Zeit mit den eigenen Kindern zu verbringen. Die Situation dieser Väter könne beispielsweise dadurch verbessert werden, dass aus der „Kann-Regelung“ der Elternzeitaufteilung eine „Muss-Regelung“ werde. Wenn alle Väter gezwungen werden, die Hälfte der Elternzeit für sich zu beanspruchen, könnten daraus keine individuellen Nachteile mehr entstehen. Und Nachteile aufgrund familiären Engagements sind Vätern ja keinesfalls zuzumuten. Niemand müsste seiner Chefin oder seinem Chef bei einer solchen Regelung mehr erzählen, dass er Elternzeit nehmen wolle. Ein Vater könne dann persönlich nichts mehr dafür. Dass diese Forderung nichts mit Gleichberechtigung zu tun hat, habe ich hier versucht zu erläutern.

Eine große Rolle spielt auch die Forderung nach einer Festschreibung des Wechselmodells nach einer Trennung völlig unabhängig von der Vorgeschichte, also unabhängig der vor der Trennung geleisteten Betreuungsarbeit. All die 2-Monats-Elternzeit-/Wochenendväter interessieren sich vor der Trennung nicht im Geringsten für eine gleiche Aufteilung der Belastungen und schwadronieren dann über Diskriminierung, wenn sie nach einer Trennung ihr Kind nicht mindestens zur Hälfte bei sich haben dürfen. Einer der vehementesten Befürworter des Wechselmodells verkündet mir im persönlichen Gespräch nicht ohne Stolz, er habe die höchstmögliche (!) Zahl an Elternzeitmonaten in Anspruch genommen, nämlich genau 4. Äh, ja genau. Er faselt irgendwas von Rahmenbedingungen und finanziellen Möglichkeiten und schnell wird deutlich, dass es eben gerade nicht um das „Höchstmögliche“ geht, sondern um Prioritäten.

Als einem Unternehmensvertreter das Wort „alleinerziehend“ rausrutscht, intervenieren sofort einige Väter: Alleinerziehende gibt es nämlich gar nicht. Nur getrennt Erziehende. Die Männer überbieten sich in ihrer Empörung. Wenn von Alleinerziehenden zu sprechen sei, dann immer von beiden Elternteilen gleichermaßen – egal, welches der getrennten Elternteile sich mehr kümmere. Und überhaupt: Eigentlich wollten doch alle Väter nach der Trennung ein Wechselmodell, die Gerichte verbieten ihnen das jedoch und dann sollen sie auch noch Unterhalt zahlen? Unerhört! Diskriminierung! Ich muss mich sehr zurückhalten, nicht laut loszuweinen.

Fairerweise sei erwähnt, dass auch vereinzelt sinnvolle politische Forderungen genannt werden: Eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden beispielsweise oder die Entkoppelung des Elterngelds vom vorigen Einkommen, so dass es auch für Student_innen oder Arbeitslose zum Überleben reicht.

Nach dem Workshop gibt es noch ein Panel, auf dem unter anderem ein „aktiver Vater“ von seinen Erfahrungen berichten darf. Aktive Vaterschaft bedeute, dass er versuche, an zwei Tagen in der Woche das Büro schon um 15 Uhr zu verlassen. Außerdem sei er letztens früher los, um beim Laternenumzug im Kindergarten dabei zu sein. Zum Basteln der Laternen habe es vorher zwar nicht gereicht und auch sonst bekomme er nicht viel vom Alltag seiner Kinder mit. Die eigenen Kinder sollten aber zumindest mitbekommen, dass ihr Vater „auch da“ sei, beispielsweise beim Handballspiel am Wochenende oder eben beim Laternenumzug. Nicht fehlen durfte auch die Forderung nach mehr Angeboten speziell für Väter. Als er nämlich in einem PEKiP-Kurs mit anderen Müttern gewesen sei, hätten die sich ständig zum Stillen weggedreht. Unzumutbar!

Was bleibt noch zu erwähnen? Väter sind im Sinne der Veranstaltung immer heterosexuell. Homosexualität gibt es bei Männern/Vätern nicht. Und wenn doch, dann darf auf keinen Fall darüber gesprochen werden. Dass zu politischen Forderungen für „aktive Väter“ auch gehören könne, Adoptionen für schwule Paare zu ermöglichen, ist nicht vorstellbar. Die parlamentarische Staatssekretärin wird nicht müde zu betonen, dass Kinder ein Recht haben auf Mutter und Vater. Achso, und das Ministerium muss natürlich auf jeden Fall umbenannt werden: Wenn es ein Ministerium für Frauen gibt, muss es auch ein Ministerium für Männer geben! Alles andere wäre Diskriminierung!!1! Habe ich schon erwähnt, dass ich die ganze Veranstaltung ziemlich gruslig fand?

Hier der Veranstaltungsbericht auf dasnuf.de und hier der auf Johnnys Papablog.

52 Antworten

  1. Danke. So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt nach den Tweets, die mir heute in die TL flatterten. Puh.

  2. isabellgaudi sagt:

    Lieber Jochen König, Sie sind der Hammer und geben mir das Vertrauen an die männliche Menschheit zurück ! Danke !!! Danke für die Abgeklärtheit, Besonnenheit und Echtheit !

  3. Vielen Dank für diesen Bericht und für die Tapferkeit, das in Würde überstanden zu haben! Wenn ich als Alleinerziehende jetzt nicht mehr alleinerziehend bin, weil der Vater ja auch ab und zu ein bissl erzieht, dann brauchen wir aber ein Wort, wo Hort, Schule, Nachbarn und der Bäcker ebenfalls mit drin sind. Die sehen meine Kinder öfter als der Kindsvater. Mannmannmann, was für’n Käse!

  4. M i MA sagt:

    Oh je! Oh je! …

  5. Jörg Siegel sagt:

    Ich fand die Veranstaltung auch gruselig, aber noch gruseliger ist Dein Kommentar dazu. Einfach immer nur dagegen zu sein sieht von Weitem wie eine eigene Meinung aus und macht sich im Blog ja auch viel cooler als irgendwie zu zu stimmen. Deinen Mitmenschen scheinst Du ausnahmslos ein Familienbild zu unterstellen, bei dem allein der Papa bestimmt, was gemacht wird, und zwar beruflich Karriere oder alternativ das wenige Geld in der Kneipe versaufen, während Mama sich um die Kinder kümmern muss und sonst die Klappe zu halten hat. Und wenn sich so eine Familie dann trennt, weil es die Frau einfach nicht mehr aushält, dann jammern die Väter auf einmal was von Wechselmodell und Diskriminierung. Das hätten sie sich ja mal früher überlegen können, stimmts? Na dann gute Nacht!

    • Jochen sagt:

      Ja, genau das sage ich doch ständig in meinen Texten. Wenn Väter die Hälfte der Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten, sollten sie es sich früher überlegen und nicht erst nach der Trennung. Nur 7% der Väter nehmen jedoch mehr als 2 Monate Elternzeit. Die restlichen 93% können sich nicht so wirklich beschweren, wenn es nach einer Trennung genau bei der Aufteilung bleibt, wie vor der Trennung.

      • Linum sagt:

        Die Situation vor der Trennung ist mit der Situatiion nach der Trennung nicht zu vergleichen.

        • Jochen sagt:

          Völlig richtig. Aber ich finde es absurd, dass Väter gerade in einer Situation, die sowieso schon schwierig ist und in der die Kommunikation zwischen den Eltern nicht mehr wirklich funktioniert, eine neue Aufteilung der Zuständigkeiten aushandeln wollen. Ich finde es völlig gerechtfertigt, dass die Aufteilung der Zuständigkeiten nach der Trennung erst einmal so bleibt, wie vorher. Und wenn sich die getrennten Eltern irgendwann wieder besser verstehen, können sie gerne untereinander was neues aushandeln.
          Ich war für ein Jahr in Elternzeit, war in den ersten drei Jahren für die große Mehrheit der kindbezogenen Aufgaben zuständig und hätte niemals akzeptiert, wenn die Mutter meiner Tochter am Tag der Trennung gefordert hätte, plötzlich unser gemeinsames Kind die Hälfte der Zeit bei sich haben zu wollen.

          • Linum sagt:

            So absurd finde ich es nicht, denn es geht darum, dem Kind beide Eltern zu erhalten und eine vernünftige Nachtrennungssituation zu schaffen. Es sind auch nicht neue Zuständigkeiten, denn zuständig für das Kind sind vor und nach der Trennung beide Eltern.

          • Jochen sagt:

            Dagegen ist ja auch überhaupt nichts zu sagen. Die Kinder werden den Vätern ja auch nicht weggenommen. Sie sehen sie in den meisten Fällen anteilig genauso viel wie vorher.

          • Imion sagt:

            „Sie sehen sie in den meisten Fällen anteilig genauso viel wie vorher.“
            Und auch das war schon zu wenig. Auch hier wieder die Frage: Was hast du dagegen, das Väter ihre Kinder sehen?

          • Jochen sagt:

            Ich habe nichts dagegen, dass Väter ihre Kinder sehen. Ich habe nur etwas dagegen, dass sie erst mit der Trennung von der Mutter auf diese Idee kommen. Vorher haben sie alle Möglichkeiten.

          • Imion sagt:

            @jochen
            Nein, haben sie nicht. Der Arbeitgeber spielt nich mit, wenn der Vater die Arbeitszeit reduzieren möchte, Kein Problem für Frauen, da die Politik hier die weichen gestellt hat. Desweiteren spielt die Mutter hier nicht mit, diese möchte noch immer den Mann als Versorger, erfüllt der Mann diese Rolle nicht mehr, lässt sich die Frau mit aller wahrscheinlichkeit scheiden, bekommt das Kind zugesprochen und der Vater sieht es nur noch alle 2 Wochen für zwei Tage. Das ist die Realität.

          • Jochen sagt:

            Woher nimmst du die Gewissheit, dass alle Frauen nur Männer als Versorger wollen? Hast du schonmal was davon gehört, dass Paare vor der Geburt eines Kindes darüber sprechen können, wie sie sich das nach einer Geburt gerne aufteilen würden? Ich kann das sehr empfehlen, da vorher drüber zu sprechen.

          • Jochen sagt:

            @Imion: Ansonsten habe ich die meisten deiner Kommentare von heute Nacht wieder gelöscht. Ich hab keine Lust, von dir vorgeworfen zu bekommen, ich würde lügen, nur weil du meine Sätze absichtlich missverstehen möchtest. Ich habe nirgendwo behauptet, Väter haben in der Schwangerschaft den gleichen Kündigungsschutz wie die Mutter. In Bezug auf die Elternzeit haben sie diesen Kündigungsschutz. Und auch die Behauptung, es würde überall die Polizei gerufen, wenn Väter alleine mit ihren Kindern auf dem Spielplatz seien, ist reichlich absurd.

      • Imion sagt:

        “ Nur 7% der Väter nehmen jedoch mehr als 2 Monate Elternzeit. “
        Weil sie es nicht können, weil der Arbeitgeber und die Kindesmütter dagegen sind und ein Vater keinerlei Rechte oder Unterstützung aus der Politik bekommt.

        • Jochen sagt:

          Es gibt ein Recht auf Elternzeit. Kein Vater muss seinen Arbeitgeber fragen, ob er in Elternzeit gehen darf. Er kann den Arbeitgeber einfach vor vollendete Tatsachen setzen. Und jeder Vater hat dabei sogar den gleichen Kündigungsschutz wie eine Mutter.
          Und auch die Kindesmutter kann den Antrag auf Elternzeit nicht alleine ausfüllen, sondern nur mit dem Vater zusammen.
          Es braucht keine Unterstützung aus der Politik. Väter haben schon längst alle Rechte, die sie benötigen, sie haben nur keine Lust die Nachteile in Kauf zu nehmen, die Mütter in Kauf nehmen.

          • GOI sagt:

            Ich stimme dir teilweise zu: man muss seinen Arbeitgeber nicht um Erlaubnis fragen wegen Elternzeit. Seinen Partner aber auch nicht.
            Den Antrag auf ElternGELD muss der Partner mit unterschreiben.
            Wie schon unten angemerkt, werden Elternzeit und Elterngeld gerne durcheinander geworfen…

          • GOI sagt:

            Habe gerade nochmal deine Artikel auf emma.de gelesen. Muss jetzt zustimmen: wer nicht das Sorgerecht hat, braucht die Zustimmung des Sorgerechtinhabers, um Elternzeit zu nehmen.
            Anspruch auf Elternzeit haben übrigens nur die, die mit dem Kind im gleichen Haushalt leben (§15 Abs. 1 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz). Vätern, die nicht mit ihren Kindern zusammenleben vorzuwerfen, dass sie keine Elternzeit nehmen, ist daher unfair…

  6. Oliver sagt:

    Ob die Veranstaltung nun gruselig war, oder nicht, mag im Auge des Betrachters liegen. Aber solange die Geschlechter mit „Besserwissen“ und Defamierungen, Abwertungen, gegeneinander argumentieren, wird es immer einen Verlierer geben: die betroffenen Kinder.
    Eine Seite beansprucht die Deutungshoheit und die andere Seite kämpft um Verbesserungen. Und bei allem ist immer wieder zu lesen, dass es immer nur um Geld geht. Hier zu wenig, da zuwenig, und insgesamt zahlt der (meist) Vater garnicht…
    Mein Lieblingsthema, da ich als Vater zu den 80% derjenigen gehöre, in der die unterhaltspflichtige Mutter nicht zahlt, ist dann wieder, dass eine gesellschaftliche Eintritt, die die Finanzierung der Kinder übernimmt. Meinetwegen auch ein Kindergeld von vielleicht 500 Euro. Damit wären dann schonmal 80% der Streitfälle vom Tisch (die Einsparungen von Gerichtsverfahren auf VKH, Beistandsschaften, Aufstockungen, etc. dürften enorm sein). Und dann sollte tatsächlich eine vernünftige Aufteilung der Betreuung gewährleistet werden, wie auch immer diese aussieht. Das ist schließlich für den „Alleinerziehenden“ eine echte Entlastung.
    Solange aber mit Metaphern immer nur gegen einder geschossen wird, erziehen und produzieren wir gestörte, lebensunfähige Erwachsende. Ok, kann natürlich gewollt sein, dass Therapeuten und Psychologen auch in Zukunft noch reichlich zu tun haben wollen.

    Ein Interesse an einer echten Veränderung sieht anders aus.

  7. Michael sagt:

    „Für eine Veranstaltung mit der Möglichkeit der Ministerin persönlich zu begegnen, würde ich das, ehrlich gesagt, jedoch eher als enttäuschend bezeichnen.“
    Enttäuschend war die Art und Weise, wie diese Veranstaltung vom Ministerium bekannt gegeben wurde: Nämlich gar nicht! Erst gestern tauchte eine Meldung auf der Seite des Ministeriums auf, also lange nach Ablauf der Anmeldemöglichkeit!

    Dass es nur eine Alibi-Veranstaltung war, lässt sich daran erkennen, dass keine Publikums-Fragerunde möglich war und dass Frau Schwesig „plötzlich“ was Wichtigeres zu tun hatte.

  8. Linum sagt:

    Frau Schwesig hatte nicht plötzlich etwas Wichtigeres zu tun. Wie Mitarbeiter des BMFJSJ in der Pause berichteten, war die Nichtteilnahme der Ministerin intern schon länger bekannt. Der Kommentar zur erwähnten „kurzfristigen Absage“ erübrigt sich also.

  9. GOI sagt:

    Warum schafft es eigentlich niemand, zu so einer Veranstaltung mal einen Mann oder eine Familie einzuladen, wo die Arbeit 50/50 aufgeteilt wird? Die sind vielleicht selten aber es gibt sie.
    Warum redet auf solchen Veranstaltungen nicht mal jemand über Elternzeit und Elterngeld, ohne beide Begriffe durcheinander zu werfen oder gar gleichzusetzen?

    • Jochen sagt:

      Auf die Spiegel-Ausgabe, aus der das Interview stammt, bin ich hier schonmal eingegangen: http://jochenkoenig.net/2015/12/21/der-spiegel-und-die-vater/
      Ich finde das Interview zwar nicht so dolle, aber es bestätigt zumindest, dass sich die Rolle auf die Biologie auswirkt und nicht zwangsläufig umgekehrt. Vor allem wird das Interview oft überinterpretiert. Ich bin schon häufig darauf hingewiesen worden. Auch beispielsweise zum vermeintlichen Beweis von Maternal Gatekeeping. Das suggeriert zumindest auch die Überschrift. Wenn man sich das Interview aber genauer anschaut, spricht sie lediglich von einem „Absprechen von Kompetenzen“ und eben gerade nicht von einer Verhinderung des Umgangs von Vätern mit ihren Kindern durch die Mutter.

      • Imion sagt:

        „nd eben gerade nicht von einer Verhinderung des Umgangs von Vätern mit ihren Kindern durch die Mutter.“
        Dies wird aber durch dieses Verhalten der Mütter ausgelöst. Wenn man immer gesagt bekommt, du kannst das nicht, dann lässt man das.

        • Jochen sagt:

          Haha. Entschuldigung, aber der Kommentar ist so absurd. Wenn alle Menschen, die gesagt bekommen, dass sie etwas nicht können, dann sofort aufhören, es zu versuchen, dann würde auf dieser Welt überhaupt nichts mehr funktionieren. Auch Mütter bekommen manchmal gesagt, dass sie es nicht können. Und sie lassen deshalb trotzdem nicht sofort die Finger von ihren Kindern. Und auch im Job schaffen es die meisten Männer mit Kritik so umzugehen, dass sie nicht sofort kündigen. In der Familie klappt das aber super als Ausrede.

        • Da müssen Männer auch lernen, Kontra zu geben. Eine Frau, die das macht, sagt etwas sehr sexistisches und dass muss man ihr auch sagen, denn sie ist es sich wahrscheinlich nicht mal bewusst.

          Doch obwohl du recht hast (was ich persönlich als Schwuler mit Kinderwunsch bestätigen kann), vergiss zwei Sachen nicht. Erstens, ein Kind zu versorgen ist 100 mal schwerer als sich mit Vorurteilen herumzuschlagen – falls jemand bereits aufgrund einer sexistischen Bemerkung aufgibt, würde ich an seine Willensstärke, ein Kind zu erziehen, zweifeln. Außerdem: sexistische Vorurteile sind sowieso ganz seicht – zeigt dem jenigen, dass du dich gut um das Kind kümmerst, und du wirst ihn wahrscheinlich zum Schweigen bringen. Vielleicht würdest du stutzen, wenn in der Werkstatt dir eine Frau entgegenkommt, doch wenn sie anfängt, über Karburatoren fachzusimpeln, verschwindet dein Stutzen relativ schnell und du freust dich sogar, dass du mit einer Frau über sowas reden kannst.

          Zweitens, vergiss nicht wieviel Aufmunterung Väter bekommen, die zu Hause bleiben wollen. Frauen kommen auf dich zu und loben dich jeden Tag. Eine derartige Anerkennung können sich die Mutter kaum wünschen.

          Ich sympathisiere mit Männerrechtlern; insofern sind wir wohl auf der gleichen Seite. Aber derartige Kommentare erwecken den Eindruck, dass es uns um Lappalien geht. Zumindest bei denen, die gerne einen Grund hätten, die Bewegung abzukanzeln – sprich 70% der Menschheit…

          • GOI sagt:

            Als Mann, der für sein Kind 50/50 Erwerbsarbeit/Familienarbeit macht, ernte ich nicht nur Lob. Bin auch schon zweimal beschimpft worden, dass ich zu faul zum Arbeiten wäre und meiner Frau Zeit mit unserem Kind stehle (da sie ja arbeiten muss). Übrigens von Frauen. Mit Dr. rer. hat.
            Aber du hast Recht: niemand soll sich von angeblichen Vorurteilen abhalten lassen, seinen Weg zu gehen.
            Sage ich auch zu Frauen, die sich nicht trauen, MINT-Fächer zu studieren, bloß weil mal irgendein Mathe-Lehrer gesagt hat, Frauen können das nicht. Wieviele feministische Texte tun eigentlich das Gleiche?

  10. Imion sagt:

    Was hast du dagegen, das Männern die möglichkeit gegeben wird, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Bisher sorgt die Politik nur dafür, das dies für Frauen möglich ist. Väter schreien es lauthals seit 2006 in jeder Studie heraus, das sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, alber sowohl die Politik, als auch die Kindsmütter verhindern dies seither.

    • Jochen sagt:

      Wo genau wird es Frauen einfacher möglich gemacht als Männern? Väter schreien lauthals, dass sie gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, tun dann aber nichts, weil sie nicht bereit sind die Nachteile in Kauf zu nehmen, die Frauen in Kauf nehmen müssen.

      • Mit dem Kind zu Hause bleiben als Nachteil zu sehen, ist wohl etwas übertrieben. Vielmehr geht es uns hier um Geschlechterrollen und der Wille der Mutter. Männer erzielen Wert und Respekt durch ihren Beruf und durch die Besorgerrolle; Frauen durch Beruf und die Betreuerrolle. Ein Mann, der zu Hause bleibt, gibt die Quelle des Respekts komplett auf, was verheerend sein kann: ein Mann, der arbeitslos wird, läuft so was wie 10 mal größere Gefahr, dass seine Frau die Scheidung einreicht, als berufstätige Männer. Ganz zu schweigen vom Selbstrespekt.

        Eine Frau, hingegen, kann zu Hause bleiben, ohne diesen Respekt zu verlieren, oder verliert nur einen Teil davon.

        Wir sollten erst mal erkennen, dass diese Wahlen bei weitem nicht so frei sind, wie wir denken. Wir reden von der einer Seite der Medaille, die immer noch Frauen beruflich zurückhält (und Männer mit Kindern befördert, wohl etwa weil der Gedanke, dass man nur noch jemanden versorgen muss, für berufliche Motivation sorgt).

        Was denkt ihr alle? Sehe gerade dass hier moderiert wird; ich hoffe, dieser Beitrag wird nicht gelöscht, weil ich nicht Frauen als traditionelle Opfer darstelle.

        • Jochen sagt:

          Ja, Geschlechterrollen schränken ein und üben einen gesellschaftlichen Druck aus. Auf Männer genauso wie auf Frauen.
          Ich kümmere mich um meine beiden Kinder, habe deshalb meinen Job aufgegeben und arbeite seit vielen Jahren nur noch in Teilzeit. Ich kann nicht bestätigen, dass ich deshalb ein Problem mit meinem Selbstrespekt habe. Ich kann auch nicht bestätigen, dass mir deshalb reihenweise Frauen die Scheidung einreichen würden. Das Gegenteil ist der Fall. Aber ja, es stimmt, das passt nicht zum gesellschaftlich hegemonialen Bild von Männlichkeit. Deshalb müssen wir gegen dieses Bild von Männlichkeit kämpfen und danach geht es uns allen besser. Ich zumindest bin fest davon überzeugt.

          • Dann kann ich nur gratulieren. Mir würde es auch so gehen. Doch leider sind wir Ausnahmen.

            Natürlich müssen wir gegen Geschlechterrollen kämpfen. Dem Widerstand gegen den Feminismus geht es nicht darum, sie zu behalten – vielmehr behaupten sie, dass Feminismus eigentlich reaktionär ist. Das sieht man u.A. darin, dass sie das, was Männern passiert, immer als Ergebnis ihrer freien Wahl sehen, und das, was Frauen passiert, als Ergebnis der Unterdrückung, direkt oder indirekt. Frauen sind weich, sensibel und gut; Männer hart und priviligiert. Ein Mann, der das Thema Selbstmord unter Männer aufgreift, wird gleich als Crybaby abgekanzelt.

            Ich sehe da kaum einen Unterschied zum 18 Jahrhundert, wo Männer, die von ihren Frauen geschlagen wurden, gezwungen wurden, rückwärts auf einer Esel zu reiten, damit die Bevölkerung auf ihn spucken und sich lustig machten, weil er nicht in der Lage war, seine Frau zu bändigen.

            So kommen wir natürlich nicht weiter.

          • Jochen sagt:

            Ich kenne keinen feministischen Text, in dem Frauen als „weich, sensibel und gut“ und Männer als „hart und priviligiert“ bezeichnet werden. Im Gegenteil: Im Feminismus geht es genau darum, diese Klischees zu dekonstruieren. Und ich kenne sehr viele feministische Texte, die sich mit Selbstmorden unter Männern beschäftigen. Die Texte werden von Männerrechtlern jedoch nicht akzeptiert, weil in ihnen nicht der Feminismus für alles Übel verantwortlich gemacht wird.

          • Stefan Kellermann sagt:

            Hallo Jochen,

            zunächst einmal zu zwei Dingen, die mich ärgern:

            „Ich kenne keinen feministischen Text, in dem Frauen als „weich, sensibel und gut“ und Männer als „hart und priviligiert“ bezeichnet werden.“

            Dann lies bitte zunächst M. Mitscherlich „Die friedfertige Frau“ und dann von R. Connell „Der gemachte Mann“ (von dem du das Bild der „hegemonialen Männlichkeit“ entlehnt hast).
            Das sind nur zwei feministische Klassiker.
            Die sich darin wiederfindenden Denkmuster und Geschlechter-Stereotype finden sich jedoch überall wieder.

            Ich finde deinen Vorschlag, die finanzielle Grundsicherung von Kindern – unabhängig vom Einkommen der Eltern – durch den Staat zu gewährleisten völlig richtig. Denn das Elterngeld finanziert nur diejenigen ausreichend, die es eigentlich gar nicht bräuchten. Während das gleiche Instrumentarium Menschen ohne hohes vorheriges Einkommen mit Brosamen abspeist.

            So lange das nicht gewährleistet ist – und du solltest das besonders genau wissen – muss die Differenz zwischen staatlichen Zuschüssen (Kindergeld) und Kosten eines Kindes von irgendwem erarbeitet werden.
            Das ist eine ökonomische Zwangslage für eine Familie, die an sich geschlechterneutral ist.
            Wogegen ich mich wehre ist dein Versuch, die Lösung der objektiven Zwangslage einem Geschlecht als Malus aufzuhalsen.
            Du tust damit so, als sei Lebenszeit voluntaristisch und zwei Mal zu verteilen und das geht eben nicht.
            Was für die Familie in Erwerbsarbeit zeitlich erarbeitet werden muss, geht natürlich als Zeit für und in eben dieser verloren. Man könnte sarkastisch sagen, der „abwesende Vater“ hat sich diesen Status hart erarbeitet.

            An dieser Stelle bin ich natürlich neugierig, wie du es schaffst, mit einem Halbtagsjob dich selbst und zwei Kinder zu ernähren.
            Ich beglückwünsche dich zu deinem Job, denn ich könnte mir das gar nicht leisten und eine Menge anderer Männer auch nicht.
            Mich würde interessieren, ob dann deine Ex-Freundin/Frau Unterhalt bezahlt und ob sie sich ebenfalls um die Kindererziehung kümmert.
            Reine Neugier, keine Böswilligkeit!

          • Jochen sagt:

            Tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber dann hast du die erwähnten Texte nicht verstanden. Es geht darin nicht darum, dass Frauen und Männer so sind, sondern es geht um gesellschaftliche („gemachte“) Strukturen und von beiden werden diese Strukturen teilweise heftig kritisiert.

            Und zur Frage der ökonomischen Zwangslage: Ja, ein Kind kostet Geld. Und ja, das muss irgendwo herkommen. Wenn Väter nach einer Trennung ein Wechselmodell fordern, scheint es doch dann aber auch zu funktionieren. Wenn es, wie von dir beschrieben, nicht die Möglichkeit gäbe, sich die Erwerbsarbeit aufzuteilen, warum soll es dann gerade nach der Trennung plötzlich funktionieren? Und wenn es nach der Trennung funktioniert, warum funktioniert es dann nicht vorher?

            Ja, die Lage ist prekär. Und ja, ich wünsche mir da Verbesserungen. Ich wette, dass ich mit meinen beiden Kindern weniger Geld zur Verfügung habe, als 95% der Familien, in denen der Vater sagt, dass er sich aus finanzieller Notwendigkeit nicht mehr um die eigenen Kinder kümmern kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in den meisten Familien eine Frage der Prioritäten ist. Wenn sich eine Familie entscheidet, ein Haus zu bauen anstatt sich die Betreuung der Kinder gleichberechtigt aufzuteilen, dann ist das eine Entscheidung. Wenn sich eine Familie entscheidet einen großen Fernseher zu kaufen anstatt sich die Betreuung der Kinder gleichberechtigt aufzuteilen, dann ist das eine Entscheidung. Wenn sich eine Familie entscheidet, im Sommer gemeinsam in den Urlaub zu fahren anstatt sich die Betreuung der Kinder gleichberechtigt aufzuteilen, dann ist das eine Entscheidung. Ich kann das alles nicht, aber es ist meine Entscheidung.
            Die Statistiken zeigen sogar, dass die Familienarbeit vor allem in den Familien gerechter aufgeteilt ist, die weniger Geld zur Verfügung haben, weil in diesen Familien gar nicht die Möglichkeit besteht, dass die Mutter länger zuhause bleibt. Diejenigen die sich hingegen beschweren, sie würden eine gleichberechtigte Aufteilung aufgrund der ökonomischen Zwänge nicht hinbekommen, kommen meistens eher aus der Mittelschicht. Ich will auch nicht sagen, dass das immer einfach ist, aber die Lage ist in den meisten Fällen nicht so ausweglos, wie diese Väter es gerne darstellen.

        • Madeleine sagt:

          Ich bin alleinerziehende Mutter und Vollzeit arbeiten.

          Ich gebe meinem Exmann die Möglichkeit so viel Zeit wie möglich mit seinem Kind zu verbringen, tausche Wochenenden – damit er bei den Familienfeiern gut da steht – und werfe meine Pläne ihm zu liebe auch nach der Scheidung über den Haufen. Auf der anderen Seite führt allerdings kein Weg zu einem Tausch, weil er ja auch Pläne hatte – die sind komischerweise NIE zu ändern…

          Nun verrate mir mal bitte, wer hier was „opfert“? Im Falle einer Trennung geben Frauen auch das letzte Bisschen an Freizeit auf um sich optimal um die Kinder zu kümmern – Männer fallen fast immer in ein Single-Dasein und genießen die „neue“ Freiheit.

          Das selbe gilt allerdings auch für alleinerziehende Väter und deren Gegenpart…

  11. Matze sagt:

    Als sich eine Frau meldet, jubeln einige Männer spontan: Super, dass bei einer solchen Veranstaltung auch Frauen anwesend sind, die könnten schließlich viel ordentlicher und schöner schreiben!

    http://dasnuf.de/wp-content/uploads/IMG_0036-1024×768.jpg

    Habe nicht den Eindruck das auf dieser Veranstaltung Frauen fehlten und glaube auch nicht das die sich besonders gefreut haben das da eine Frau ist, denn Frauen gibt es auf Väterveranstaltungen immer. Bei der Mütterlobby, die mit der Politik antritt „was gut für die Mutter ist, ist gut fürs Kind“, mag das anders aussehen.

    • Jochen sagt:

      Ich habe nie behauptet, dass auf der Veranstaltung die Frauen fehlten. Ich habe mich in meinem Text nur über den unpassenden und sexistischen Schenkelklopfer echauffiert, Frauen seien so nützlich, weil sie so schön schreiben könnten.

  12. Heute stellt sich für mich die Welt auf den Kopf. Ich sympathisiere mit Männerrechtlern, und bin somit auf diesem Blog alles andere als in guter Gesellschaft.. Außerdem bin ich sehr liberal eingestellt und denke, dass der Staat in den meisten Fällen die Finger von unseren Leben lassen sollte. Also doppelt teuflisch 🙂

    Doch nicht immer. Es gibt Fälle, wo mich Beweise überzeugen, dass es eine Rolle für einen starken Staat gibt. Dazu gehört die medizinische Versorgung, oder zumindest die Finanzierung davon. Und eben auch der obligatorische Vaterschaftsurlaub.

    Warum? Weil, wie du ja gemerkt hast, ein Mann, der so einen Urlaub nehmen WILL, kaum Verständnis erntet dafür im Vergleich zu einer Frau, die eventuell Nachteile bei der Einstellung hat, weil Arbeitgeber erwarten, dass sie jeder Zeit in den Elternurlaub gehen könnte und nicht mehr so viel für die Firma wird leisten können, wie man es vom durchschnittlichen männlichen Arbeitnehmer zu erwarten hat.

    Aber das Argument ist ein Kleinkrams im Vergleich zum gesellschaftlichen Effekt. In meiner Heimat, der feministischen Schweden, oft als Hölle für Männer verleumdet unter Männerrechtlern, die sich die Welt etwas zu einfach machen, haben es tatsächlich Väter so was Ähnliches wie Gleichberechtigung geschafft. Gut ein Drittel der Besucher mit Kinderwagen in einem der unzähligen Caffee Lattee Kafes in unserer Hauptstadt sind mittlerweile Männer. In meiner Bekanntschaft verdient in rund ein Drittel der Fälle die Frau mehr als der Mann; etwas, was ich in Deutschland nur in einem einzigen Fall gesehen habe.

    Hätte es diese obligatorischen „Pappamonate“ nicht gegeben, würden sich die Väter mindestens genauso genötigt fühlen, noch härter zu arbeiten , wie die Mütter sich genötigt fühlen, keine Rabenmütter zu sein. Lediglich vor zwei Jahrzehnten galt hier der Hausmann als Verlierer und Faulpelz (die Hausfrau allenfalls als altmodisch).

    Wenn so eine kleine Einschränkung, die nicht mals die persönliche Freiheit beeinträchtigen, sondern nur den Zugang zu staatlicher Förderung, so eine grundlegende Veränderung bewirken kann, dann ist dieser Abkehr vom Liberalismus meines Erachtens eine gute Investition.

    Da, lustiger- und ausnahmsweise, stimme ich den Feministen meines Landes zu.

    Doch zurück nach Deutschland und ab zu diesem offensichtlich feministischen Blog: Hier wird Vaterschaftsurlaub kritisiert. Und das obwohl wir alle einig sind, dass die Verminderung der häuslichen Pflichten bei weitem der bedeutendste Faktor ist für unser Streben nach Lohngleichheit.

    Noch bizarrer fand ich die Anspielung an eventuelle Homophobie, oder mindestens Vernachlässigung der Anliegen Schwuler. Als Schwuler, der versucht hat, in Frankreich die Approbation für Adoption zu besorgen, kann ich beteuern, dass ich selten so viel offenen Männerhass empfunden habe. Als heterosexueller Mann ist man nicht so schlimm, da ja eine Frau dabei ist, die ihn anständig macht. Aber zwei Männer, die ein Kind wollen? Creepy ohne Ende. Bei Kindern dürfen wir keine Risiken eingehen.

    Jetzt wollen wir eine Leihmutter haben, was genauso ein Mienenfeld ist. Selbst andere Schwule sagen uns, dass unser Kind doch eine Mutter brauche. Weibliche Freunde unterstellen uns indirekt, wir würden Frauen ausnutzen – als gäbe es nicht ein System, dass aufkreischen würde, wenn das annähernd der Fall wäre (in der Tat wird alles mögliche gemacht, um finanziell motivierte Leihmutterschaft zu unterbinden).

    Nur, weil ich Kinder möchte, ist mir also selbst von Nahestehenden Pädophilie, Ausbeutung, und Kindermisshandel vorgeworfen. Dass wir derartigen Sexismus noch haben, geschweige denn ignorieren oder gar gutheißen, ist für mich ein Anachronismus, der allein deswegen erlaubt ist, weil Männer fast gar keine geschlechtsbezogene Homosozialität aufweisen. Die Verleumdung selbst von moderaten oder linken, nicht-weißen, Männerrechtlerinnen als Frauenhasser (nein, nicht mal reaktionär oder Frauen als weniger intelligent einstufend, sondern HASSER), zeigt, wie es uns zuwider ist, dass eine derartige Homosozialität entstehen könnte. In der Tat bekomme ich die meiste Unterstützung meiner Anliegen von Frauen.

    Sicherlich: die schwedischen Feministinnen würden anders argumentieren. Aber wir sind uns einig: es müssen sogar mehr Papamonate her!

    Gerne würde ich hören, im Besonderen von denjenigen, die sich als Feministen bezeichnen, über diesen Unterschied innerhalb der Bewegung denken und wieso sie entstanden ist. Ich möchte aber vorweggreifen, dass ich hier keine Diskussion über MRA anstacheln möchte oder sonst irgendein Thema wo die Fronten verhärtet sind. Sondern ich möchte wissen, wie die feministische Diskussion über Vaterschaftsurlaub sich gestaltet und wieso.

    • Jochen sagt:

      Hm, ich kann vieles nicht ganz nachvollziehen. Zum Beispiel sehe ich den Widerspruch zwischen Feminismus und Liberalismus nicht so zwangsläufig. Ja, ich würde sagen, dass in feministischen Texten eher für eine Ausweitung der Papamonate argumentiert wird. Ich bin eher dagegen. Ich finde es wichtig darüber zu streiten und sehe darin kein Problem. Ich erlebe feministische Diskurse nämlich nicht einheitlich und autoritär, sondern konstruktiv und vielfältig. Warum ich dagegen bin, hab ich in dem verlinkten Text dargelegt.

      Auch die Passage zur Homophobie in deinem Kommentar verstehe ich nicht. Ich kritisiere doch gerade, dass schwule Paare keine Kinder adoptieren dürfen. Und ich kritisiere, dass das (obwohl es ein Anliegen von Männern ist) von Männern, wie sie bei der Veranstaltung waren, nie thematisiert wird. Im Gegenteil: Große Teile der Männerrechtsbewegung sind homophob.

  13. Hallo Jochen, danke für die schnelle Antwort.

    Für mich ist der Wiederspruch zwischen Liberalismus und Feminismus nicht nur groß, sondern über die letzten Jahrzehnte größer geworden. Ging es dem Feminismus mal vor 50 Jahren um gleiche Rechte, geht es heutzutage überwiegend darum, eine starke, intervenierende Rolle für den Staat zu fordern. Bei Sexualdelikten gegen Frauen geht es darum, den Schutz der Angeklagten aufzuweichen. Bei Besetzung von Führungskräften, nicht aber Ärtze oder Müllmänner, soll der Staat Quoten vorschreiben. Bei häuslicher Gewalt soll der Staat ein hoch sexistisches Modell (Duluth) vorschreiben.Alles meines Erachtens mit Liberalismus unvereinbar. Doch vielleicht verstehst du unter dem Begriff etwas anderes.

    Schwulenfeindlichkeit: Vielleicht wurde es nicht deutlich, dass ich bei den Anfeindungen, die ich selber bekommen habe (und meine Erfahrungen sind relativ milde), eher Männerfeindlichkeit sehe als Schwulenfeindlichkeit. Es waren schließlich Freunde und Familie dabei, die ansonsten kein Problem mit meiner Sexualität haben oder gar selber schwul sind (obwohl zugegebenermaßen die schlimmsten Schwulenfeinde die Schwulen selber sein können). Vielmehr geht es um die fast instinktive Abneigung gegen Männer und Kindererziehung, ohne die Segen verbreitende Anwesenheit einer Frau. Sie sitzt meiner Meinung nach sehr viel tiefer, als unsere vermeintliche historische Abneigung gegen beruflich erfolgreiche Frauen je gesessen hat, aber obwohl das Problem uns mit dem Zaunpfahl zuwinkt, möchten wir das Problem entweder ignorieren oder mit Bezug auf eine politisch korrekte Opfergruppe sowie Schwule erklären. Dabei kann ich es mir kaum vorstellen, dass ein alleinstehender Hete eine bessere Behandlung erfahren hätte.

    Doch natürlich stimme ich dir zu, dass es Schade war, dass es nicht thematisiert wird, gestehen wir doch Lesben, die von Natur aus im schlimmsten Falle etliche Möglichkeiten zum Muttertum bereits besitzen, jede Menge Rechte zu, von Inseminierung über Adoption bis hin zur Leihmutterschaft. Doch in meinem Schweden, ansonsten mit eins der schwulefreundlichsten Länder der Welt, wo 12-jährige Jungen sich trauen, zu ihrer Sexualität zu stehen und sich feminin zu verhalten, dort ist die Leihmutterschaft, die einzige realistische Möglichkeit, die schwulen Paaren offen stehen, nicht nur verboten, sondern, da sie ins gesetzliche Rahmenwerk für Gewalt gegen Frauen fällt, mit Haftstrafe versehen.

    Denkst du wirklich, dabei Homophobie die Hauptrolle spielt? Ich würde gerne verstehen, wie du dabei denkst, falls ja.

    Zu guter Letzt: die Homophobie der Männerrechtler. Ich bin wie gesagt intellektueller Sympathiseur und kein Aktivist; ich finde Genuswissenschaft potentiell extrem interessant, doch verzweifle natürlich über die Politisierung des Faches, worunter die Wissenschaftlichkeit sehr leidet. Männerrechtler kenne ich aus dem Internet; doch ich habe große Teile meiner Bekanntschaft bekehren können – und erstaunlicherweise sind Frauen eher bereit, überhaupt auf das Thema unvoreingenommen einzugehen. Männer halten entweder zu sehr am Konzept von Frauen als Opfer, weil sie aus der Rolle des Beschützer Respekt ergattern können (von diesen Bürden sind wir als Schwule relativ frei). Frauen tendieren zwar, bei jeder Infragestellung der traditionnellen Aufteilung Mann – Täter, Frau Opfer, erst mal Frauenhass zu sehen; erst wenn sie mich kennen und merken, dass meine Meinungen durchdacht sind und nicht von irrationalen gefühlen getrieben werden, hören sie zu.

    Doch wo ist die Homophobie? Ich habe sie nirgendwo gesehen; höchstens Gleichgültigkeit – was ja zu erwarten ist. Vielmehr finde ich, dass die Probleme von Männern und Schwulen verknüpft sind: es ist kein Zufall, dass wir Männern nach ihren Versorgungsbeiträgen messen, und dass wir in der Geschichte Schwule gepeinigt und getötet haben, wären wir Lesben eher einfach unsichtbar gemacht haben. Wer Misogynie, breit definiert, sucht, kann sie finden; doch nur ein Bruchteil dessen, was oft behauptet wird, und meistens in Kommentaren, wo Männer Frustration auslassen, die sie sonst innebehalten müssen. Falls du Opfer einer Falschbeschuldigung bist, kann ich verstehen, dass du in Rage sie eine Schlampe nennt; das als Misogynie zu sehen ist nicht nur zyniscsh, sonder polarisierend und, in vielen Fällen, unmenschlich-kalt.

    Ich störe mich sehr an die Vermischung zwischen Geschlecht und Rasse. Der Feminismus versucht die Bewegung zu diskreditieren, indem es nicht um Männer geht, sondern um WEISSE, manchmal heterosexuelle Männer geht. Das ist natürlich lächerlich; die Hauptanliegen der Bewegung – Suizid, häusliche Gewalt, sexuelle Gewalt, Falschanschuldigungen – treffen Afro-Amerikaner im deutlich höheren Ausmaß. Doch statt diese lächerlich transparente Verknüpfung einfach zu ignorieren, lästern viele Männerrechtler ebenso über die extremen Flügeln der Bewegung Black Lives Matter, u.A. Jemand, der voreingenommen sich AVFM anschaut wird natürlich daraus schließen, dass es in der Tat um so was Ähnliches wie White Power geht, und mit solchen Leuten sollte man nicht mal einen Dialog führen.

    Das ist Schade. Ich finde auch BLL übertrieben und kontraproduktiv, aber ich erkenne an, dass meine Hauptfarbe ein Privileg ist. Wieviel davon Erziehung und Land ist, und wieviel Sexismus i.e.S – keine Ahnung. Aber als ich in den USA gelebt habe, und eine Gruppe schwarzer Jugendlicher auf einer einsamen Straße gesehen habe, würde ich mit 1-2% größerer Wahrscheinlichkeit die Straßenseite wechseln, als wenn sie weiß wären und sich genauso verhalten würden. Das hört sich wie wenig an, aber es potenziert sich, so dass ich keinen Augenblick bezweifle, dass ein schwarzer Mann tagtäglich damit konfrontiert wird.

    Aber es ist vor Allem Schade, weil wir nicht verstehen, dass Männeranliegen Frauenanliegen sind – und vize Versa. Da Schwarze und Weiße immer noch wenig über die Rassenlinien heiraten, stehen die Interessen der Rassen manchmal im Gegensatz zu einander. Das ist bei Männern und Frauen nicht der Fall. Es fängt damit an, dass bei jedem Mann, dem es schlecht geht, geht es den Frauen in seiner Nähe auch schlecht. Es geht weiter damit, dass wenn wir Männer aufmuntern, Papamonate zu nehmen, das verhältnismäßige Risiko, die Unternehmen im Kauf nehmen, wenn sie 30-jährige Frauen einstellen, sinkt und somit die beruflichen Chancen von Frauen wächst. Selbst bei den für uns alle schwer zu verdauenden Themen ist dies der Fall. Wie die in Hunderten von Studien wiederkehrende Gendersymmetrie bei häuslicher Gewalt. Denn ein Mann, dem seit Kindesbeinen eingetrichtert wird, Frauen nie zu schlagen, wird nur einstecken und nirgends HIlfe finden. Sollten wir nicht Angst haben, dass er irgendwann platzt und sehr, sehr hart zurückschlägt?

    Ich erzähle meinen heterosexuellen Freunden dass ich zwar als Teenager seelenzerstörende Homophobie erlitten habe, aber dass ich mich jetzt als Schwuler priviligiert fühle. Priviligiert, weil ich im wahrsten Sinne des Wortes selber entscheide, was ich tue. Dass ich die unermessliche Arroganz der asiatischen Freundin meines Kollegen nicht hinnehmen muss – sie verlangt ab und zu mal was von Hermes und trägt trotz gutes Einkommens nicht zur Haushalt bei, mit der Begründung: du hast ja mich. Und dass, ironischerweise weil ich ja theoretisch komplett frauenfrei leben könnte, ich als Schwuler für diese Themen Gehör bekomme, während ich als Hete unreflektiert als Schwein oder Frauenhasser abgekanzelt wäre.

    So, das alles wurde lang. Ich hoffe ich konnte was erklären. Auf jedem Fall ist es gut, herausgefordert zu werden, meine Gedankengänge klarzustellen. Und ich bin wirklich gespannt auf die Erläuterung deiner These, dass Schwulenfeindlichkeit verbreitet sei. Wenn es stimmt, werde ich mich natürlich widersetzen.

    • Jochen sagt:

      Die Homophobie unter Männerrechtlern kommt häufig über das essentialistische Geschlechterverständnis. Es wird eine Natur der Geschlechter angenommen und diese Natur der Geschlechter beinhaltet auch eine Natur der Familie, die demnach „normal“ oder „natürlich“ nur zwischen Heteros stattfinden kann. Gerade heute gab es auf nem Männerrechtlerblog nen abwertenden HInweis gegenüber mir, dass meine Familie ja biologisch gar keine Familie sein kann, weil jedes Kind nur eine Mutter und nur einen Vater haben könne und alles andere Quatsch sei. Ich verlinke es hier absichtlich nicht, weil ich keine Werbung dafür machen möchte. Das ist Homophobie und das ist Alltag unter Männerrechtlern.

      Puh, ansonsten ist mir der Kommentar zu lang. Auf weitere Argumente werde ich nicht im Detail eingehen. Ich würde dir empfehlen feministische Texte zu vielen der Themen zu lesen, da findet sich eine breite Bandbreite an Hinweisen. Nur noch folgende Kommentare: Es gibt keine „Rassen“! Es gibt Menschen, die rassistisch kategorisiert werden, aber es gibt keine „Rassen“ und deshalb auch keine „Rassenlinien“ oder ähnliches. Falschbeschuldigungen sind kein gesellschaftlich relevantes Problem. Und sexistische Kommentare werden auch nicht besser, nur weil Männer frustriert sind. Wer „in Rage“ Frauen „Schlampen“ nennt, ist jedem Fall frauenfeindlich. Völlig egal aus welchem Grund ein Mann solch einen Begriff als Schimpfwort verwendet, dahinter steht immer ein frauenfeindliches und sexistisches Weltbild, denn sonst wäre der Begriff ja gar kein Schimpfwort.

      • GOI sagt:

        „Puh, ansonsten ist mir der Kommentar zu lang.“
        Tja, kaum schildert ein Mann seine Probleme, dann ist es zu lang.
        Ich empfehle übrigens das Studium von Gesetzestexten. Die bilden nämlich buchstäblich das Machbare ab; feministische Texte eher Utopien.

        • Jochen sagt:

          Ich bin nicht der Kummerkasten für frustrierte Männer. Ich kann auch nur im Rahmen meiner Möglichkeiten darauf eingehen und ich bekomme sehr sehr viele Nachrichten und Kommentare von frustrierten Männern. Ich gehe auf einige Punkte ein. Wenn dir das zu wenig ist, ist das dein gutes Recht. Daraus aber ein politische Aussage abzuleiten, es wäre mir zu viel und ich würde nicht darauf eingehen, wenn einmal auf der Welt ein Mann seine Probleme schildert, finde ich unzutreffend. Aber das kannst du gerne anders sehen.

  14. Balsamico sagt:

    Warum wird Männern die keine Elternzeit nehmen eigentlich immer mangelndes Interesse vorgeworfen? Mein Mann hätte sehr gerne Elternzeit genommen. Er konnte schlicht einfach nicht. Warum? Weil die Rahmenbedingungen nicht gestimmt haben. Als Hauptverdiener bekäme er 67% seines Einkommens. Davon hätten wir aber nicht leben können. So sehr wir auch gewollt hätten.

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