Maternal Gatekeeping

Rund 80 Prozent der Väter sagen, sie wünschen sich mehr Zeit für ihre Familie und würden sich gerne mehr an der Erziehung und Betreuung der eigenen Kinder beteiligen. In der Praxis tut sich jedoch nicht so viel und deshalb wird fleißig nach Ursachen gesucht. Immer wieder taucht dabei – vor allem in der Argumentation von Vätern – das so genannte „Maternal Gatekeeping“ auf. Zuletzt gestern und heute auf Twitter von zwei Männern, die in Deutschland immer wieder angehört und eingeladen werden, wenn es um diese Fragen geht.

Patrick ist solch ein Vater, der sich gerne mehr an der Erziehung und Betreuung der Kinder beteiligen würde. Immer wenn er nachts aufsteht, um sein Baby zu wickeln, pfeift ihn seine Frau jedoch zurück. „Leg dich gefälligst wieder hin und schlaf! Ich will alleine unausgeschlafen sein. Und außerdem, so wie du wickelst, mache ich es lieber alleine. Keine Diskussion!“ Da kann Patrick natürlich nichts machen. Er ergibt sich seinem Schicksal, legt sich wieder hin, schläft, wacht am Morgen auf und twittert: „Ohne neue Mütter, keine neuen Väter!“ Er hat wirklich alles versucht. Aber gegen diese Macht der Mütter kommt auch der stärkste Mann nicht an.

Ähnlich geht es Lukas. Er wäre so gerne wenigstens für ein paar Monate in Elternzeit gegangen. So hatte er es mit seiner Frau abgemacht. Doch dann, am Tag als beide den Elterngeldantrag ausfüllen wollen, hat sie es sich plötzlich anders überlegt. Sie zweifelt an seinen Kompetenzen und zwingt ihn zu unterschreiben: 12 Monate für die Mutter, 0 Monate für den Vater. In Worten: Null! Er hat wirklich alles versucht. Aber bei diesem Blick seiner Frau ist er wirklich machtlos. Also trottet er traurig ins Büro. Seine Sekretärin wartet bereits auf ihn und er ahnt nichts Gutes. Auch sie zweifelt an seinen Kompetenzen, hat es auf seine Stelle abgesehen und bereits seine Entlassungspapiere vorbereitet. Er muss nur noch unterschreiben: Ab heute ist sie Chefredakteurin und er kann sich nur noch überlegen, ob er als Sekretär weiterarbeiten möchte oder ganz aus dem Verlag ausscheidet. Was soll er nur tun? Er hat wirklich keine andere Möglichkeit. Schweren Herzens ergibt er sich in sein Schicksal.

Die von mir konstruierten Fälle klingen vielleicht absurd, aber genau so funktioniert die „Maternal Gatekeeping“-Argumentation.

Die Berichte realer Familien in den Medien klingen dann beispielsweise so: „Er habe sich unter ständiger Beobachtung gefühlt. Wickeln, füttern, anziehen – >immer stand sie neben mir und korrigierte mich. Als wäre ich ein Konkurrent, den sie wegbeißen muss<“ Ja, was soll Christian, so heißt der Protagonist im Spiegel-Artikel, da auch machen? Von Vätern, die sich unter ständiger Beobachtung fühlen, kann nun wirklich nicht erwartet werden, dass sie sich in der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder engagieren. Es ist wirklich schockierend. Wenn Mütter nicht endlich aufhören, so komisch zu gucken, wenn Väter Windeln wechseln, wird das nie was mit der Gleichberechtigung.

Weiter oben im Spiegel-Artikel steht übrigens: „In den Wochen nach der Geburt, erzählt Christian, habe er Verständnis dafür gehabt, dass Mutter und Kind einander besonders nah waren. >Aber nach vier Wochen dachte ich mir zum ersten Mal: Lass mich doch auch mal ran.<“ Nach vier Wochen ist Christian also zum ersten Mal auf sein Kind zugegangen? Was hat er vorher gemacht? Einfach zugesehen, wie seine Frau alles erledigt hat? Hat seine Frau ihn nachts zurückgepfiffen, wie Patrick in meinem erfundenen Beispiel? Entschuldigung, aber wer erst nach vier Wochen auf die Idee kommt, sich mal mit dem eigenen Kind zu beschäftigen, den würde ich dann auch erst einmal schräg anschauen und korrigieren.

Ähnlich klingt das Beispiel in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung. Clemens beschwert sich fast wortgleich: „Ich wäre nicht jedes Mal sofort hingerannt, wenn eines der Kinder weinte. Aber egal, was ich tat, ob ich wickelte, fütterte oder die Mädchen ins Bett brachte, Julia stand die ganze Zeit daneben und korrigierte mich.“ Was soll er da auch tun? Es ist doch dann wirklich ihre Schuld, wenn er nicht die Möglichkeit hat, sich mehr zu engagieren, oder?

Vorher wird die familiäre Situation von Clemens und Julia in der Süddeutschen Zeitung übrigens wie folgt beschrieben: „Sie war den ganzen Tag mit den Kindern zu Hause, er arbeitete von früh bis spät, oft auch am Wochenende.“ Ich erkenne ein Muster: Könnte es sich bei den Vätern, die sich über das „Maternal Gatekeeping“ beschweren, vielleicht um diejenigen Väter handeln, die nach der Geburt eines Kindes eher noch mehr arbeiten als vorher? Und dann werden sie am Wochenende dabei schräg angeschaut, wenn sie etwas unbeholfen mal eine einzige Windel wechseln, nachdem die Mutter vorher in der ganzen Woche, in der er im Büro war, schon 50 Windeln alleine wechseln musste? Glaubt wirklich ernsthaft jemand daran, dass diese Väter alle sofort in Teilzeit gehen und zu „neuen Vätern“ mutieren würden, wenn nur die Mütter etwas netter zu ihnen wären und ihnen bei ihrem einzigen Versuch pro Woche, die Windel zu wechseln, nicht ganz so kritisch über die Schulter schauen würden?

Gerne wird auch argumentiert, das mit diesem „Maternal Gatekeeping“ sei ja auch wissenschaftlich erwiesen. 20% der Mütter würden wissenschaftlichen Studien zufolge die Väter von den Kindern fernhalten. Selbst wenn es in jeder fünften Familie so eindeutig wäre, wäre der Satz „Ohne neue Mütter gibt es keine neuen Väter!“ schon falsch. 20% können nicht erklären, warum von den 80% der Väter, die sich gerne mehr engagieren würden, in der Praxis nur etwa 7% übrig bleiben. Und dann ist der wissenschaftliche Befund auch noch längst nicht so eindeutig, wie es der Väteraktivist Hans-Georg Nelles in dem zitierten Tweet darstellt. So sagt beispielsweise die in dem Kontext forschende Professorin Liselotte Ahnert: „Das sogenannte Gatekeeping, bei dem die Mütter den Vätern – bewusst oder unbewusst – eine Kompetenz im Umgang mit ihren Kindern absprechen, beobachten wir schon noch.“ Plötzlich geht es in der Forschung gar nicht mehr um ein „Fernhalten“ und die Verhinderung des Engagements von Vätern, sondern nur noch um das Absprechen von Kompetenzen. Aber hey, das ist doch Grund genug: Wenn an den Kompetenzen gezweifelt wird, bleibt Männern doch wirklich nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen und wie im Fall von Lukas den Job als engagierter Vater und Chefredakteur an den Nagel zu hängen, oder?

Wer hundert Mal häufiger eine Windel wechselt, hat das Recht kritisch zu sein, zu korrigieren und Kompetenzen in Frage zu stellen. Wer es hundert Mal seltener macht, muss diese Kritik aushalten oder eben von Geburt an engagierter sein und häufiger die Windel wechseln. „Maternal Gatekeeping“ ist nichts anderes als ein Abschieben dieser Verantwortung von Vätern auf Mütter. Ich bin fest davon überzeugt, dass es Väter braucht, die von Geburt an bereit sind, sich im Leben der eigenen Kinder mehr als nur nach Feierabend und am Wochenende einzubringen. Und wenn Väter bereit sind, diesen Schritt zu gehen und auch die negativen Begleiterscheinungen (unausgeschlafen sein, verminderte Karrieremöglichkeiten,…) in Kauf zu nehmen, dann ist „Maternal Gatekeeping“ völlig irrelevant.

36 Antworten

  1. Großartig. Wirklich großartig!

  2. Steffen Pelz sagt:

    danke für den artikel – der bewusste perspektivwechsel erinnert mich schmunzelnd an @manwhohasitall auf twitter.

  3. koneu sagt:

    Und dabei könnte die Lösung so einfach sein! „Schatz, mach Dir doch ein schönes Wellness-Wochenende mit Deinen Freundinnen, ich bekomme das mit dem Kind schon alles hin. Nein, lass bitte auch Dein Handy hier, damit Du nicht den Eindruck hast, ich könnte Dich jeden Moment anrufen.“
    Oder „Mach Dir bitte einen schönen Abend.“ Und schon kann sich der Mann nach Herzenslust austoben und ist frei von jeglicher „adult supervision.“

  4. Hilde sagt:

    Das ist allerdings noch so viel komplizierter. Solange Männer noch mehr verdienen als Frauen, können viele gar nicht länger Elternzeit nehmen. Auf einen Teil des höheren Einkommens zu verzichten, können wir uns im Moment z.B. nicht leisten.
    Weniger arbeiten, wenn man gerade Familienzuwachs hatte… Schwierig, wenn man (noch) nicht viel verdient.

    • Zumindest beim Modell des einkommensabhängigen Karenzgeldes in Österreich sollte das kein Argument sein.

    • Jochen sagt:

      Die finanziellen Einbußen sind in Familien mit klassischer Rollenaufteilung langfristig meist größer. Familien mit geringeren Einkommen können es sich hingegen meist gar nicht leisten, eine Person auf Dauer von der Lohnarbeit freizustellen. Eine Familie, in der sich beide Elternteile von Beginn an die Aufgaben und die Elternzeit teilen, muss langfristig am wenigsten auf Einkommen verzichten, weil beide Elternteile dann schnell wieder auf dem Einkommensniveau der Gleichaltrigen ohne Kinder sind. Ich will damit nicht sagen, dass wirtschaftliche Zwänge keine Rolle spielen, aber in vielen Fällen ist auch das nur eine Ausrede.

    • Knitterfee sagt:

      Bei uns auch. Das Elterngeld wird gerade mal die Miete und Nebenkosten abdecken. Dabei würde ich meinem Mann gerne ein Jahr Elternzeit überlassen – aber ich kann als Selbständige leider seinen Anteil nicht abfedern.

  5. Barbara sagt:

    Danke!!!

  6. Jan sagt:

    Es stellt sich natürlich auch die Frage, wie einsatz- und lernfähig sich die betroffenen Männer in den Jahren vor dem Kind im gemeinsamen Haushalt gezeigt haben. Wenn da immer die Strategie “Ein paar Mal doof anstellen, dann macht sie’s lieber selber.“ gut funktioniert hat (und ich habe tatsächlich schon Männer prahlen gehört, sie hätten zu Beginn der Beziehung absichtlich ein teures Kleidungsstück der Freundin/Frau zu heiß gewaschen, um sich nie wieder um die Wäsche kümmern zu müssen), warum soll frau ausgerechnet dann Vertrauen in seine Fähigkeiten entwickeln, wenn es um einen Säugling geht, den man nicht mal eben ersetzen kann? (Ich will keinem Vater unterstellen, bewusst sein Kind falsch zu behandeln, aber wenn jemand Anweisungen zum Sortieren der Wäsche immer wieder nicht richtig befolgt, dann traut man ihn auch nicht zu, ein Baby im Winter warm genug anzuziehen oder es mit bestimmten Lebensmitteln nicht zu füttern.

    • Vroni sagt:

      Genau daran habe ich auch gedacht: Der eine nennt es Maternal Gatekeeping, die andere Seite sagt „der stellt sich so dumm an, dass ich ihm nicht vertraue“.
      Ich habe mir auch überlegt, ob ich Maternal Gatekeeping ggü. meinem Mann betreibe. Einige Beispiele:
      – Beim Windelnwechseln klappt er die Bündchen nicht nach aussen – die Windel läuft aus.
      – Den verschissenen Body zieht er so über den Kopf, dass die Haare beschmiert sind und gewaschen werden müssen.
      – Wenn er auf das kotzende Kind aufpasst, ist er nicht schnell genug mit dem Eimer parat und das Bett muss jedesmal neu bezogen werden.
      – Das gemeinsame Essen wird stark gewürzt und gesalzen.
      – Das Kind wird nicht warm angezogen, wenn er rausgeht und kommt mit Schüttelfrost heim.
      – Bei längerem Quengeln oder wenn das Kind nicht ruhig schlafen will, wird Paracetamol gegeben, weil das Kind bestimmt Schmerzen hat.
      – Wenn er das Kind anschnallt, kann ich meist nochmal 15 bis 20 cm straffer ziehen.

      Leider muss ich oder das Kind am Ende die Konsequenzen „ausbaden“. Kein Wunder, dass ich wie ein Aufpasshund daneben stehe oder es lieber direkt selbst mache. Bin ich daran jetzt alleine Schuld? Kann ich einfach nicht loslassen und möchte ihm die Kompetenz absprechen?

  7. Anna sagt:

    Wunderbarer Artikel!

  8. Thomas sagt:

    Gleich vorweg: Ja, viel zu viel Väter suchen Ausreden.

    Allerdings denke ich auch, dass endlich mehr differenziert werden muss.

    1) Ja, gatekeeping IST ein Problem. Wenn es absichtlich erfolgt sowieso, aber meist „passiert es einfach“ – in beide Richtungen: Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, 100% aller relevanten Informationen weiterzugeben. Und schon steht der Partner vor einem Dilemma: gefühlt macht man alles so wie es gesagt wurde; aber es ist eben anders und schon ist der Konflikt latent da. Völlig egal ob es um die falsche Anziehreihenfolge, das falsche natriumarme Wasser, die falsche Waschanlage für’s Auto oder die Falsche Sorte Bier vom gleichen Hersteller geht.

    Am Ende müsste man entweder damit leben dass man nicht alles genau gesagt hat und der andere es deswegen eben anders macht. Statt dessen wird kritisch kommentiert – und schon hat der andere Partner zwei Hürden zu überwinden: Er muss sich einbringen wollen (gegen sein bisheriges Selbstbild) und auch noch die Kritik aushalten die er als ungerecht empfindet. Dazu muss man schon viel Wollen, Kraft und Engagement mitbringen.

    Und ja, ich weiß wovon ich rede: Das abendliche Einschlafritual war bei beiden Kindern „meins“ – wenn meine Frau es übernommen hat obwohl ich zu Hause war habe ich die Krise bekommen. Bei allerlei Technik im Haushalt ist das auch so (sie ist Ingeneurin – es gibt keinen Grund es ihr nicht zuzutrauen). Sie macht es aber eben anders, und dass mit anzusehen ohne zu kritisieren fällt extrem schwer.

    Historisch bedingt unterschiedlich ausgeprägte Arbeitsprozesse zusammenzuführen benötigt oft Jahre, wenn es nicht durch den Chef oder andere „Externe“ betreut wird. Warum sollte es bei Familien einfach so klappen? Ist diese Erwartung nicht doch etwas zu hoch?

    2) Das „cultural gatekeeping“ ist immer noch sehr ausgeprägt – „die Gesellschaft“ will zwar andere Rollenbilder, mehr Väter bei den Kindern usw., steht dem aber auch immer noch sehr klar im Weg. Wenn es um mehr Frauen in MINT-Fächern geht ist der Weg mittlerweile klar: Fördern, fordern, „angepasste“ Vermittlungsmethoden und ja nicht als Exotin ansprechen oder darstellen.
    Bei Vätern passiert leider zu oft das Gegenteil: Ich habe keine ernstgemeinten Ratgeber gefunden, die zielgerichtet einen Mann ansprechen. Bei den meisten Hebammen-Baby-Kursen sind Väter „mal ausnahmsweise“ zu 2 von 8 Terminen mit eingeladen.
    Und im Alltag werden Väter oft so behandelt wie ein Wellensittich in einer Spatzenschar: „Oh, unser Quoten-Papa ist auch da“ (beim Babyschwimmen). „Toll das sie sich das trauen“ (beim Spazierengehen ohne Mama). „Ihr Kind steckt sich Sand in den Mund“

    Ab dem 7 Monat haben meine Frau und ich uns in Teilzeit um das 2. Kind gekümmert – sie war 3 Tage pro Woche zu Hause, ich zwei. An den Tagen, wo ich keine derart bekloppten Kommentare anhören musste bekam sie einen Blumenstrauß. Es waren die wenigen Tage wo wir wegen schlechten Wetters niemandem begegnet sind.

    Ja, genau so geht es wohl Frauen in Männerdomänen. Leider bessert das die Situation nicht.

    3) Unser Umgang mit dem Stillen ist nicht immer Bestandteil der Lösung. Eher des Problems. Mütter bekommen Stillberatung, extra Hilfsangebote wenn es beim Stillen nicht klappt und wenn das Kind nach 6 Monaten kaum noch bei Mama trinkt ist es eine Rabenmutter – zumindest fühlt es sich so an. Wie soll so die Mutter den Baby-Job halbwegs entspannt an den Vater abgeben? Wenn die Mutter arbeiten geht und der Vater mehr Elternzeit nimmt muss das Kind ja trotzdem irgendwie ernährt werden. Aus der Flasche und mit der bösen Fertigmilch? Au weia! Oder mit einem halben Jahr schon 3x am Tag Brei? Grundgütiger! Und abpumpen? Hurra, die Milchmenge und die Zeit zum abpumpen belastet die Mutter ja auch gar nicht…

    Wir haben uns für die Zeit ab dem 7. Monat entschieden – 5 Tage pro Woche konnte meine Frau immer mal ein wenig abpumpen und dann gab es genug Vorrat im Tiefkühlschrank. Es hat 2 Wochen gedauert, dann war das Stillen passe weil es dem Kind zu anstrengend war. 4 Woche hat es dann gedauert bis die Diskussionen über das fehlende Stillen in der Pekip-Runde endlich aufhörten. Die Zeit bis dahin war totaaaaaal super. Nicht.

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    Es gibt nicht „den einen Faktor“. Die eine Stellschraube. Ja, der erste Schritt ist dass der Vater wollen muss. Aber ansonsten wird es Zeit, dass wir akzeptieren das Transformationsprozesse Zeit und Unterstützung brauchen. Und so wie stabile chemische Verbindungen sich nur unter starker externer Einwirkung verändern kommen auch Väter nicht „einfach so“ aus bequemen Feierabendkomfortzonen. Entweder es gibt Druck (nach dessen Wegfall dann das alte Muster wieder durchkommt) oder eben andere attraktive und damit stabile Verbindungen. Egal ob es ein extra Feierabendbier (und der fehlende Kommentar zum zugehörigen Bauch) ist, oder ein neues Spielzeug, weniger Genörgel weil der Müll mal 2 Stunden länger steht – völlig wurscht.

    Die Einstiegshürde im Kopf muss überwunden werden. Mit Hilfe der jeweils besten Familie der Welt.

  9. goldtopf sagt:

    Ich stimme dir in vielen Punkten zu. Ich finde allerdings den Ansatz, dass man die Frage, warum beteiligt sich ein Vater weniger an Care-Arbeit mit _einer_ Begründung beantwortet, per se schon nicht richtig. So etwas ist doch immer eine interaktionelle bzw. systemische Angelegenheit. So trifft die (tatsächliche, vermeintliche, beabsichtigte oder unbeabsichtliche) Ungeschicklichkeit des Vaters vielleicht auf die perfektionistischen Ansprüche einer Mutter, die es nicht gut aushält, wenn etwas anders gemacht wird als es ihrem Standard entspricht (damit meine ich keine lebensgefährlichen Fehler!).
    Warum muss man den schwarzen Peter einer Seite zuschieben? Sexistische Rollenbilder existieren leider auch in den Köpfen von Frauen. Ich bin (als werdende Co-Mutter in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft) aktuell in einem Forum für werdende Mütter unterwegs. Von etwa 20 Frauen gab es sicherlich ein Viertel, die das Ergebnis ihres positiven Schwangerschaftstests erst mal für Tage oder gar Wochen für sich behalten haben, z.B. um „den Partner nicht zu belasten“, falls es doch einen frühen Abgang geben sollte. Eine Userin behielt es wochenlang für sich, dass sie nicht nur ein, sondern zwei Kinder erwartet, um den Partner damit „zu überraschen“. Aber offenbar ist es nichts Ungewöhnliches, dass eine Frau mit der Idee schwanger zu sein (sogar in der Phase, wo gemeinsam aktiv auf das Kind hingearbeitet wird), sich ganz alleine einen Schwangerschaftstest kauft, ihn durchführt und dem Partner nichts davon sagt.
    Ob man das nun als frühes „Maternal Gatekeeping“ sieht oder nicht – hätte meine Frau sowas mit mir gemacht, wäre ich stinksauer gewesen. Gut, bei uns liegt die Sache nun sowieso anders, das Wunschind ist ganz klar unser gemeinsames Projekt und ich kannte den Zyklus meiner Frau besser als den eigenen. Aber ich finde, an der Stelle zeigt sich schon sehr früh auch auf Seite der Frauen eine Haltung, die das Kind mehr als ihre persönliche Angelegenheit wahrnimmt als dass es eine gemeinsame Sache ist.
    Ich kann dem Wunsch nach „neuen Müttern“ also durchaus etwas Empathie entgegenbringen, solange sich niemand auf dem „sie läßt mich ja nicht“ ausruht.

  10. Lila sagt:

    @Goldtopf: BITTE??!?! Zum Glück ist es nicht (mehr ) ungewöhnlich, dass sich eine Frau einfach so alleine einen Schwangerschaftstest kauft und ihn durchführt, ohne sich vorher die Erlaubnis oder die Begleitung eines Mannes einzuholen!! (Not) Sorry, aber der dass sich der weibliche Körper dem Zugriff des Patriaten entzieht, war/ist ein jahrelanger feministischer Kampf, der (leider )immer noch nicht abgeschlossen zu sein scheint. Was kommt, dann bitte als nächstes?! Willst du unter der Vorgabe „gemeinsamen Projektes Wunschkind“ deiner Frau die Menstasse untersagen, weil du mittels Binden den Zyklus besser kontrollieren kannst? Was ist den die Rolle „deiner“ Freundin im gemeinsamen Projekt? Brutkasten etwa? Embryo_Labor? Bitte nicht rückwärts denken!
    Argh, mir kommt der Dampf aus den Ohren, wenn ich solche Zeilen lese… Und es ist KEIN Glücksnebel.

    • Thomas sagt:

      So ändern sich die Zeiten… früher durfte die Frau nicht ohne den Mann testen lassen ob sie schwanger ist, heute wird der Mann vor der Information „Du bist Vater“ „geschützt“. Beides ist doch wohl gewaltig neben der Spur…

      Nein, es geht nicht darum jemanden zu etwas zu zwingen oder etwas zu verbieten.

      Es geht um das Vertrauens- und Rollenverhältnis: Da wächst ein Kind heran und er Vater bekommt dazu tage- oder wochenlang keine Information. Was entsteht aus so etwas? „Ich wollte dich nicht belasten“ wird dann ganz leicht zur späteren Ausrede für den Vater, dem es „zu viel“ ist ein krankes Kind zu Hause zu betreuuen. Oder wenn es wirklich einen frühen Abgang gibt – wer soll dann die Frau auffangen? Dieses „unsensible“ männliche Wesen, was gar nicht weiß was los ist?

      Ich war vom ersten Tag an informiert und konnte so wunderbar auf meine Frau eingehen – und bin sehr froh darüber!

    • goldtopf sagt:

      @Lila, es geht nicht um „Erlaubnis“, „Kontrolle“ oder „Verbote“, sondern dass wir (ja, wir, nicht ICH) eine andere Vorstellung von Partnerschaftlichkeit, Eltern werden und Nähe haben, die sich nicht gut eine solchen Geheimniskrämerei und Ausschluß eines Partners oder Partnerin aus emotional für beide relevanten Belangen vereinbaren ließe. Das hat Thomas schon ganz gut auf den Punkt gebracht (danke!).
      Ich glaube, der Dampf, der aus deinem Ohren kommt, hat mehr mit deinen eigenen Deutungsmustern zu tun, als mit dem was ich geschrieben habe…Transparenz und Vertrauen in einer Beziehung, und zwar auch schon im Keim des Eltern werdens, sehe ich sicher nicht als dem feministischen Kampf entgegen stehend.

      • Lila sagt:

        @Goldtopf.
        Ups. Also erstmal entschuldige bitte. Das ist mir gerade ziemlich peinlich, ähmmm, ich versuche mich kurz zu erklären, ich habe vorhin versehentlich runtergescrollt und ich war zu abgelenkt um dies zu merken. Und tatsächlich habe ich erst ab dieser Zeile mitgelesen:
        „sie nicht nur ein, sondern zwei Kinder erwartet, um den Partner damit „zu überraschen“. Aber offenbar ist es nichts Ungewöhnliches, dass eine Frau mit der Idee schwanger zu sein (sogar in der Phase, wo gemeinsam aktiv auf das Kind hingearbeitet wird), sich ganz alleine einen Schwangerschaftstest kauft, ihn durchführt und dem Partner nichts davon….“
        Okay, und von daher hast du völlig recht, dass es an meinen Deutungsmustern liegt/lag. Ich habe dich und deine Freundin als hetero-cis-Paar gedeutet. Shame on me. Mist, ich ärgere mich gerade ziemlich, das ich die blöde Hertero-Norm tiefer verinnerlicht habe, als mir bewußt ist.
        Den Verweis auf den eigenen Zyklus, habe ich eher verspottend wahrgenommen. Denn den letzten Typ der sich mit seinem Zyklus beschäftigt hat (bzw der versucht hat rauszufinden ob und wie es einen „male cycle“ gibt und wie dieser Zyklus ihn beeinflußt) UND der sich öffentlich dazu bekannte, habe ich 2002 getroffen. Und ich bin es nicht gewohnt, dass sich Männer damit hervortun, dass sie den Zyklus ihrer Frauen besser kennen als ihren eigenen.
        Argh, es tut mir wahnsinnig leid, dass ich dich als männlichen Patriachaten gedeutet habe, welcher sich das Recht rausnimmt über den weiblichen Körper zu bestimmen.
        und ich habe BEVOR ich den gesamten Post gelesen habe, Sätze gedacht, wie:“ ist ja schön, dass die so ein tranparentes Wunschkind Projekt haben,aber hoffentlich sieht seine Frau das genau so. Vater meiner Kinder wird dieser Typ jedenfalls nicht.“ Und der Satz „Gut, bei uns liegt die Sache nun sowieso anders, das Wunschind ist ganz klar unser gemeinsames Projekt“ bekommt für mich nun eine andere Bedeutung. Ich habe es schlicht als den Kinderwunsch (und der Reproduktion seiner Gene) eines Mannes interpretiert. Dieser ist ja (leider) in Hetero Beziehungen meistens deutlich einfacher zu erfüllen als in gleichgeschlechtlichen Beziehungen.
        puhhh, ich suche gerade seid ca. 2h nach den richtigen Sätzen und ich habe keine Ahnung, ob es mir noch gelingt. Ich hoffe ich rede/tippe mich nicht mehr um Kopf und Kragen.
        goldtopf: ich wünsche euch in euer Co-Elternschaft und in der Schwangerschaft alles Gute!! Ich wünsche dir, dass du nicht so oft an Pfosten gerätst welche dir (als (Co)Mutter) das Muttersein absprechen. Habt eine gute Zeit in der Schwangerschaft und mit eurem Kind!
        Notiz an mich:
        bevor ich das nächste Mal Heteronormative Scheiße im Internet verbreite, werde ich:
        1) aufmerksam lesen
        2) das Kind davon abhalten, alle technischen Gerätschaften unseres Haushaltes durch Zerstörung zu vernichten (und während ich das tue, keine Kommentare verfassen!)
        3) rausgehen und Wut über (vermeidlich) blöde Macker verrauschen lassen
        4) meine eigene Geschichte nicht auf Dritte projezieren (und tatsächlich wäre ich bei meiner eigenen, versehendlichen Schwangerschaft noch mehr ausgeflippt, wenn ich mir auch noch das „Okay“ für nen Schwangerschaftstest beim Vater abholen hätte müssen )
        5) alles noch mal in Ruhe lesen und erst dann wenn ich alles gelesen UND verstanden hast, garstige Kommentare ins World Wide Web schicken

        Es tut mir leid.

        • goldtopf sagt:

          😂 Danke. Entschuldigung akzeptiert. Ich habe mich ja schon gefragt, wie du bei mir auf patriachales Verhalten kommst, aber wenn Männer einen Zyklus haben können, kann frau wohl auch das…

          • Lila sagt:

            puh, danke das du meine Entschuldigung angenommen hast. Das erleichtert mich sehr.
            Ich habe keine Ahnung ob es einen männlichen Zyklus gibt oder nicht und was der so macht oder könnte. Und eigentlich hat es in meinem Leben auch keinerlei Bedeutung. Aber die Vorstellung, dass sich irgend nen Typ damit brüstet den Zyklus seiner Frau besser zu kennen als seinen eigenen, hat mich doch sehr erbost.
            Ich werde immer noch so rot wie mein Rotweinglas und ich schwöre nie wieder das Internet mit gemeinen Äußerungen zu verpesten. Von den Trotteln von der wird-man-doch-noch-mal-sagen-dürfen-Fraktion gibt es eh schon zu viele…

  11. Katharina Herrmann sagt:

    Als ich den Begriff maternal gatekeeping heute morgen gelesen habe, dachte ich erst, das ist vom Postillon; reine Ironie, nahm ich an. Doch schnell wurde mir klar, dass es sich um tiefsten, dunkelsten Ernst handelt. Maternal gatekeeping. Das muss man sich erst einmal zu Gemüte ziehen. Zu meinem persönlichen Unwort des Jahrzehnts gesellt sich ab sofort noch ein weiterer Begriff: neben Umgangsverweigerin steht jetzt maternal gatekeeping, ein weiterer maskulinistischer Wadlbeisser.
    Sarkasmus führt nie zur Auflösung, das habe ich zwischenzeitlich gelernt. Also habe ich versucht aufzudröseln, und versucht, so offen wie möglich, unter Einbeziehung eigener Erfahrungen, zu verstehen, wo der Knoten ist.
    Selbstwert ist vor allem dann ein Thema, wenn dieser in der Kindheit durch die Eltern unterwandert wurde. Wir alle sind Kinder und Kindeskinder aus dem Krieg, der nicht nur durch Kriegsgeschehen traumatisierte Eltern hinterlassen hat, sondern auch Mütter und Väter, die durch damalige Erziehungsdoktrin oft hart und unbarmherzig mit ihren Kindern umgegangen sind. Stichwort Johanna Haarer.
    Es gibt niemanden unter uns, der davon nicht betroffen ist, nur die Ausprägung ist unterschiedlich.
    In Beziehungen neigt man oft dazu, im Partner Ersatz zu finden für die mangelnde oder nicht vorhandene Mütterlichkeit in der Kindheit. Das reisst Löcher in die Seele und führt zu tiefsten Verletzungen.
    Der Irrglaube von maternal gatekeeping & Co. liegt darin, die Urache für die eigenen Versagergefühle in einer unterstellt überbehütenden und sie willkürlich ausgrenzenden Mutter zu sehen. Diese soll nun auch für sie eine Mutter sein und, egal wie wenig Erfahrung und Routine der Partner hat, ihm Selbstbewusstsein schenken.
    Das ist für eine Frau mit Säugling eine extreme Gratwanderung. Da reicht es oft schon, wenn das Baby, das zuvor 9 Monate im Bauch war, sich nicht vom Vater trösten oder ins Bett bringen lässt, und schon hängt der Haussegen schief.
    Anstatt die nötige Selbstbestätigung im anderen zu suchen und zu fordern, sollte die Lösung in der Erkenntnis der eigenen Entbehrungen als Kind liegen, in der aufrichtigen Aufarbeitung der eigenen Geschichte. Nur dadurch generiert man ein gesundes Selbstwertgefühl. Der Schritt muß aus jedem selbst heraus vollzogen werden.
    Mit jedem Stück gewonnener Selbstwertschätzung verflüchtigen sich nagende Gefühle der Ohnmacht und Unzulänglichkeit.
    Ich hoffe sehr, dass immer mehr Menschen, Männer wie Frauen, den Weg einschlagen, zu sich selbst zu finden und dadurch freier und unabhängiger von der Anerkennung anderer sind. Bestimmt wird dadurch auch die Unangemessenheit von stigmatisierenden Begriffen bewusst. Man sollte die Kirche wirklich im Dorf lassen. Wir hypersensiblen, hoch zivilisierten und technologisierten Westler werden doch wohl nicht am Ende daran zugrunde gehen, dass Frauen mit Babies Instinkte ausleben, die in anderen Kulturen geachtet und unterstützt werden.

  12. Anna sagt:

    Solange Mütter nicht abgeben können (aus welchen Gründen auch immer, ob selbst oder fremdverschuldet) werden wir auch keine Gleichberechtigung im Job haben.

    Sätze wie „Vorsicht, das musst Du so und nicht so machen…“, „Deine Mama weiß schon am besten wie es geht“ etc.pp. – führen nicht unbedingt zu einer Welt, in der Frauen entscheiden können, wie sie sich ihr Leben vorstellen, so komisch das klingen mag. Denn nur wenn wir unseren Männern vertrauen und sie stark machen in Sachen Familie, können wir Frauen auch eher berufstätig werden. (Im umgekehrten Sinne begrüße ich jede Frau / oder jeden Mann, der gezielt Frauen im Job unterstützt, denn viele Branchen sind sehr Männer-dominiert und unterliegen solange deren Gesetzmäßigkeiten, solange dort nicht mehr Frauen in entsprechende Positionen gelangen.)

    Am Ende leiden beide: Die Frauen, weil sie sich zwischen Familie und Job zerteilen und im Zweifel doch keine vernünftige Rente für sich erwirtschaften können und vom Mann / oder Staat abhängig sind (oder schlicht arm). Die Männer, weil sie irgendwann realisieren, dass sie das halbe Leben ihrer Kinder verpasst haben und das nie wieder aufholen können.

    Was für mich offen bleibt: Inwieweit ist es selbstverschuldet (was der Begriff „Maternal Gatekeeping“ ja suggeriert) und inwieweit sind es die äußeren Umstände (Gesellschaft, Staat etc.), dass wir Familien- und Arbeitsmodelle leben, die weit von 50/50 entfernt sind.

    • Jochen sagt:

      Warum ist es die Aufgabe der Mütter, die Väter „stark zu machen“? Das verstehe ich nicht ganz. Ansonsten: Ja, natürlich müssen wir uns auch die gesellschaftlichen Rollenbilder anschauen, mit denen wir alle aufgewachsen sind und die nicht immer so einfach durchbrochen werden können. Ich würde aber schon sagen, dass ein Unterschied besteht zwischen Müttern, die sich – wie du schön beschrieben hast – „zwischen Familie und Job zerteilen und im Zweifel doch keine vernünftige Rente für sich erwirtschaften können“ und Vätern, die sich problemlos mehr in der Familie engagieren könnten, das aber nicht tun, weil ihre Frau sie mal komisch angeschaut hat und dann irgendwann 30 Jahre später merken, dass das vielleicht die falsche Entscheidung war. Dann muss es doch darum gehen, den Vätern zu sagen, dass sie mal gefälligst etwas früher nachdenken sollen. Der Begriff „Maternal Gatekeeping“ legt den Fokus jedoch im Gegensatz dazu auf die vermeintlich ständig kritisch dreinblickenden Frauen und das finde ich falsch.

  13. rage sagt:

    Danke. Für deine Klarheit und dein gedankliches Zurechtrücken dessen, was als Entschuldigung von Männern und Frauen benutzt wird.

  14. David sagt:

    Interessanter Beitrag, aber wie immer gibt es keine absolute Wahrheit. „Maternal Gatekeeping“ als hilfloses Argument einiger Väter abzutun halte ich für unangemessen. Es gibt Frauen, welche ihren Männern das Gefühl geben, dass sie (die Mütter) der bessere Elternteil sind. Trotz der Weiterentwicklung des Familienbildes lassen sich jahrhunderte alte Rollenbilder anscheinend nicht so einfach „über Bord werfen“. Man muss als Vater ganz selbstbewußt die Initiative ergreifen: nicht fragen, machen!

    • Jochen sagt:

      Ich habe niemals behauptet, dass mein Artikel die einzige und absolute Wahrheit ausdrückt. Er beleuchtet einen Aspekt, den ich an vielen Stellen falsch finde. Natürlich gibt es gesellschaftliche Rollenbilder. Und natürlich gibt es Mütter, die der bessere Elternteil sind (im Sinne von: Sie weiß besser, wie ein Baby beruhigt werden kann oder Ähnliches). Sie sind vor allem deshalb der bessere Elternteil, weil sie sich mehr engagieren, mehr Zeit investieren und deshalb mehr Übung haben. Und wenn sie aufgrund ihres höheren Engagements innerhalb der Familie dann kritisch mit ihren Männern umgehen, finde ich das völlig gerechtfertigt. Und ja, wie ich im letzten Absatz geschrieben habe, erwarte ich von Vätern, dass sie die Initiative ergreifen, statt den Müttern die Schuld für das eigene fehlende Engagement in die Schuhe zu schieben.

  15. Michaella Lau sagt:

    Mein Exmann hat unsere Tochter das erstemal schon im Krankenhaus gewickelt und klar so voll wie ich mit Hormonen war wollte ich das Kind keinen Moment aus den Augen lassen. Das vergeht aber in der Regel schnell und wir waren ja beide Anfänger. Der Punkt ist, das mein Exmann von Anfang an dabei war und so vertrauen aufgebaut hat, was sehr schön für unsere Tochter war, weil ihre emozionale Bindung zu beiden Eltern gleich stark war. Ich glaube das schafft jeder Mann der ernsthaft mehr sein will als ein gute Nacht Kuss Papi.

  16. anyworkingmom sagt:

    Vielen Dank für diesen Text. Ich denke, Maternal Gatekeeping gibt’s, und ich bin auch nicht gefeit davor – dabei geht es mir aber weniger darum, meinem Mann Kompetenzen ABzusprechen, sondern im Gegenteil, ich erwarte, dass er die Dinge genau so gut erledigt wie ich. Will heissen, dass ich nicht dankbare Luftsprünge mache, wenn er wieder mal Spaghetti gekocht hat. Sondern auch er sich überlegen darf/soll/muss, wie wir unsere Kinder gesund ernähren können. Das nur ein Beispiel. Ich sehe den Vater als gleichwertiges und gleichermassen kompetentes Pendant zu mir (auf jeden Fall sind wir mit dem gleichen Wissenstand in die Elternschaft gestartet) – heisst für mich aber halt eben auch, dass er Gleichwertiges leisten soll (aber wiederum nicht, dass er es identisch tun muss). Und hier, denke ich, wird es halt vielen Vätern einfach zu anstrengend, wenn „gut“ nicht gut genug ist.

    • Ana sagt:

      „Auf jeden Fall sind wir mit dem gleichen Wissenstand in die Elternschaft gestartet“ – Danke für diesen Satz!
      Ich frage mich nämlich (auch jetzt grade beim Lesen einiger Kommentare hier), wieso die Leute immer glauben, die Mutter wüsste sofort alles über Kinderbetreuung bzw. -erziehung, nur weil sie eben die Mutter ist.
      Es gibt doch keinen Schalter, der sich im Frauenhirn plötzlich umlegt und auf einmal ist das ganze Wissen da.
      Ich habe die erste Schwangerschaft meiner besten Freundin damals sehr intensiv mitbekommen. Da diese nicht geplant war und sie sich nie zuvor mit dem Thema Kinder beschäftigt hatte, war ihr Wissensstand dementsprechend bei null.
      Sie musste sehr, sehr viel lernen, hat sich Bücher ohne Ende reingezogen, Rat bei Dritten geholt usw.
      Vor allem als das Baby dann auf der Welt war, habe ich ihr die Verzweiflung schon sehr angemerkt. Sie war überfordert, grade von den Erwartungen anderer und hatte das Gefühl, versagt zu haben, wenn sie etwas nicht auf Anhieb wusste – denn „Mütter müssen so was doch automatisch wissen, oder?“
      Heute weiß sie natürlich, dass das quatsch ist und dass es vielen Frauen so geht wie ihr damals.
      Letztens sagte sie so einen schönen Satz: „Elternschaft ist wie alles andere, was man noch nie zuvor gemacht hat. Man muss erstmal lernen, sich damit beschäftigen und Zeit und Arbeit investieren, um gut darin zu werden. Man kann nun mal nicht sofort alles perfekt.“
      Wenn die Väter das nicht von Anfang an genauso machen, wie die Mütter, müssen sie natürlich damit rechnen, von diesen auch mal gemaßregelt oder kritisch beobachtet zu werden.
      Ist in der Berufswelt genauso: Derjenige mit Erfahrung und Kompetenz bringt dem Neuen bzw. Unerfahrenen alles bei. Und da kommt doch auch keiner und sagt: „Immer steht der hinter mir und beobachtet meine Arbeit! Das nervt mich so, ich schmeiß den Job jetzt hin!“

      Und Anne hat weiter unten ja sehr gut geschrieben, dass auch Mütter oft unter Beobachtung stehen. Sollen die auch alle aufgeben, frei nach dem Motto „och nö, wenn ich es euch nicht recht machen kann, dann lass ich es ganz sein, kann man nix machen…“?

  17. Anne sagt:

    Arme Väter. Das Gefühl, „unter ständiger Beobachtung“ zu stehen, kann ich als Mutter natürlich nicht nachvollziehen. Überhaupt nicht. Ist mir auch noch nie passiert, dass die Frau vor mir in der Supermarktschlange, der Nachbar von gegenüber oder die Mutter auf dem Spielplatz plötzlich dachten, mein Verhalten meinem Kind gegenüber kommentieren und korrigieren zu müssen. Also wirklich, nie. Kein Wunder, dass die Väter sich nicht trauen Verantwortung zu übernehmen. Und bloß gut, dass die weibliche Sozialisation so viel Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein vorsieht, dass wenigstens wir uns dazu in der Lage sehen. Denn wer sollte es sonst tun?

    Danke für den Artikel!

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